Weiger: Nein. Auch, wenn Klaus Töpfer uns unterstützte, so gingen sein Ministerium selbst und auch das heute für die Initiative so wichtige Bundesamt für Naturschutz (BfN) noch nicht mit. Am ehesten kam noch etwas von der Bayerischen CSU, zunächst neben dem Kartierungsprojekt aber leider vor allem schöne Worte. Doch die rot-grüne Regierung in Hessen zum Beispiel interessierte sich so gut wie gar nicht.
Frobel: In Sachsen dagegen gab es zwei Leute am Umweltfachamt Plauen, die auch in Hof gewesen waren und die Sicherstellung mit Rückendeckung des Freistaats Sachsen vorantrieben. 1996 haben sie den gesamten Abschnitt Sachsens unter Schutz gestellt. 42 Kilometer sind das zwar nur, aber die sind bis heute der bestgeschützte Abschnitt des Grünen Bands.
Natur: Und da sind die anderen Landesregierungen nicht gefolgt?
Weiger: Das hätte man vermuten können. Aber leider wurde der Prozess nun noch mühsamer. Denn es gab zwei Gesetze, die uns das Leben schwer machten: Zum einen das Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz von 1991, das eine möglichst rasche Realisierung von Infrastrukturprojekten zur deutschen Einheit vorsah, also etwa den Straßenbau. Fragen des Bedarfs wurden da gar nicht erst geprüft – und dadurch solche Vorhaben juristisch schwer anfechtbar. Zum anderen das Mauergrundstücksgesetz von 1996: Frühere Eigentümer von Grenzgebieten konnten diese nun zu einem günstigen Verkehrswert zurückkaufen. Und alles, was auf diesem Wege nicht wegging, verkaufte der Bund meistbietend. Ohne dabei Belange des Naturschutzes zu beachten. Die Erlöse gingen in einen Fonds zur Förderung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Zwecke in den neuen Bundesländern. So ein Widersinn! Der beste Zweck für das Gemeinwohl war es doch, die Biotope zu erhalten!
Frobel: Eine gewisse Angela Merkel, damals Bundesumweltministerin, bestätigte uns das aber nochmal auf Anfrage: Der Naturschutz habe dabei keinen Vorrang. Es drohte das Aus für das Grüne Band.
Weiger: Die wollten alles verscherbeln…
Frobel: Allerdings sprangen zu dieser Zeit glücklicherweise – und nicht zuletzt in Reaktion auf die große Medienresonanz unserer Aktionen – die Umweltminister der Länder in die Bresche und betonten den Wert des Grünen Bands. Und dann haben wir umso lauter gebrüllt: Es könne doch nicht sein, dass die Umweltminister das Band erhalten wollen und die Finanzminister es für karitative Zwecke verscherbeln! Wobei wir natürlich Verständnis dafür hatten, dass ehemalige Eigentümer die Möglichkeit bekamen, ihr Land zurückzuerhalten. Aber auch da erfuhren wir später, dass die Ländereien am Ende oft in andere Hände gelangten, etwa Nachfolgegesellschaften der LPGs. Sie haben mit den rechtmäßigen Besitzern verabredet, dass diese ihren Besitz zurückfordern, um ihn dann unmittelbar an die Gesellschaft weiterzuverkaufen. Darum gibt es heute kilometerlange Abschnitte, die solchen Produktionsgesellschaften gehören.






