Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Aralsee der viertgrößte See der Welt. Während der Sowjetzeit wurden seine beiden Hauptzuflüsse Amudarya und Syrdarya jedoch zur Bewässerung der Landwirtschaft angezapft und umgeleitet. In den 1960er Jahren begann der See daher, stetig zu schrumpfen und zunehmend zu versalzen. 90 Prozent des Sees sind ausgetrocknet. Dort, wo einst Wasser war, liegt nun die Wüste Aralkum. Um den Aralsee oder zumindest Teile davon zu retten, wurde 2005 der Kokaral-Staudamm gebaut. Dieser trennt den nördlichen und den südlichen Teil des Sees voneinander, so dass sich mehr Wasser im Nordteil sammeln kann.
Nordteil des Sees hat sich weitgehend erholt
Forschende um Georgiy Kirillin vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin haben nun untersucht, wie sich der nördliche Aralsee seither verändert hat. Dafür werteten sie Messdaten von drei kurzen Expeditionen aus, die zwischen 2016 und 2019 stattfanden, sowie die Daten einer autonomen Messstation, die ein Jahr lang den Wärme- und Sauerstoffhaushalt im Nordteil des Aralsees überwacht hat. Das Team analysierte so die saisonale Durchmischung des Sees sowie die daraus resultierenden Temperaturtrends und den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff im Wasser. Diese Parameter bestimmen das ökologische Gleichgewicht und den allgemeinen Gesundheitszustand eines Sees.
Die Auswertung ergab: Durch den Damm wuchs der Nord-Aralsee zwischen 2006 und 2020 wieder von 2800 auf 3400 Quadratkilometer an. Parallel dazu stabilisierte sich das Volumen des Sees, so dass er nun etwa 27,5 Kubikkilometer Wasser enthält. Zum Vergleich: Der Bodensee fasst etwa 48 Kubikkilometer Wasser, verteilt auf 536 Quadratkilometer. Durch das gestiegene Wasservolumen im Nord-Aralsee sank sein Salzgehalt zwischen 2002 und 2014 von 18 auf nun stabile elf Gramm pro Kilogramm Wasser. Das entspricht in etwa dem natürlichen Salzgehalt des Aralsees vor seiner Austrocknung, wie das Team erklärt.
Durch diese Entwicklung können sich die allermeisten Wasserschichten in dem eher flachen See nun durch Wind und Wellen wieder das ganze Jahr über durchmischen. Das sorgt für eine bessere Temperaturverteilung zwischen dem im Sommer von der Sonne erwärmten Oberflächenwasser und dem kalten Tiefenwasser. Zudem werden durch die Durchmischung die oberen Ebenen mit Nährstoffen und der Gewässergrund mit Sauerstoff versorgt. „Die Zunahme des Wasservolumens und die Verringerung des Salzgehalts haben den Sauerstoffgehalt im gesamten See deutlich verbessert“, fasst Kirillin zusammen. Das hat sich wiederum positiv auf die Artenvielfalt von Mikroorganismen und Fischen im Aralsee ausgewirkt.





