2003, 2010, 2013, 2015, 2018 und 2019 – gleich sechsmal hat Mitteleuropa in den letzten 20 Jahren Hitzesommer mit starker Trockenheit erlebt. “Mitteleuropa ist seit der Jahrtausendwende wiederholt von sommerlichen Hitzewellen und Dürreperioden getroffen worden, die Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben”, erklärt Erstautorin Monica Ionita vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. “Allein für die Dürre im Jahr 2018 werden die finanziellen Schäden auf rund 3,3 Milliarden Euro geschätzt – damit war dies das teuerste Einzeljahres-Wetterereignis in Europa.” Angesichts dieser Häufungen von Extremwetterlagen und ihren Auswirkungen stellt sich die Frage, was sie verursacht und ob dieser Trend womöglich in Zukunft so weitergeht. Auf der Suche nach Antworten haben Forscher bislang jedoch vor allem die Wetterlagen und atmosphärischen Bedingungen im Sommer oder Winter betrachtet – mit nur bedingtem Erfolg.
Gehäufte Wetteranomalien im April
Ionita und ihre Kollegen haben deshalb eine andere Jahreszeit näher in klimatologischen Augenschein genommen: das Frühjahr. “Diese Extremereignisse richtig vorherzusagen, scheiterte bislang jedoch daran, dass der Einfluss des Frühlings unterschätzt wurde”, erklärt die Forscherin. “Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Zusammenhänge zwischen den Wetterlagen im Frühling und im darauffolgenden Sommer genauer zu untersuchen – und zwar für den gesamten Zeitraum, in dem ausreichend Beobachtungsdaten vorlagen.” Für die Studie wertete das Team Wetterdaten zu Temperaturen, Niederschlägen, der Verdunstung und der Bodenfeuchte in Europa für die letzten 140 Jahre aus. Mithilfe statistischer Verfahren ermittelten sie dann, ob in den letzten Jahren auffällige Abweichungen vom langjährigen Mittel gab.
Die Auswertungen enthüllten, dass es im Frühjahr der letzten zwei Jahrzehnte tatsächlich Anomalien gegeben hat. “Während es in den Monaten März und Mai kaum Veränderungen gab, war der Monat April im Zeitraum 2007 bis 2020 im Durchschnitt drei Grad Celsius wärmer als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1999”, berichtet Ionita. “In extremen Jahren wie 2018 war der April sogar so warm, dass der im Winter gefallene Schnee im Frühling quasi direkt verdunstet ist und keine Chance hatte, in Form von Schmelzwasser im Boden zu versickern.” Gleichzeitig mit den steigenden Temperaturen und der verstärkten Verdunstung nahmen die Niederschläge im April deutlich ab. Besonders ausgeprägt waren diese Defizite den Forschern zufolge in Deutschland, Polen sowie Teilen Tschechiens, Ungarn und der Ukraine. “Allein in Deutschland hat der April-Niederschlag in der Zeitperiode von 2007 bis 2020 im Schnitt um 30 Millimeter abgenommen”, berichten die Wissenschaftler. “Das repräsentiert in manchen Regionen eine statistisch signifikante Verringerung auf nur noch 50 bis 60 Prozent des normalen April-Regenfalls.”





