Eine Mutation im Tumorsuppressor-Gen p53 ist die häufigste genetische Ursache für die Entstehung von Tumoren beim Menschen. Jetzt haben Wissenschaftler der University of California in Santa Barbara ein homologes Gen im Erbgut des Fadenwurms Caenorhabditis elegans gefunden und dessen Funktionen untersucht. Im Fachblatt Science weisen sie nach, dass das intakte Genprodukt nicht nur Krebswachstum verhindert, sondern auch die Lebenserwartung der Würmer bei Mangelbedingungen erhöht.
Erst mithilfe eines speziellen Computerprogramms war es William Derry aus der Arbeitsgruppe von Joel Rothman gelungen, ein den drei menschlichen p53-Genvarianten entsprechendes Gen im Genom des Fadenwurms aufzuspüren. “Da der Wurm nur eine Version dieses Gens besitzt, ist es viel leichter, seine Funktion im Organismus zu untersuchen”, sagt Derry. Bei Mensch und Wurm sorgt das intakte Anti-Krebs-Gen dafür, dass bei einer DNA-Schädigung der Zelltod eingeleitet wird, damit es nicht zu unkontrolliertem Wachstum kommt.
Neben dieser bekannten Wirkung entdeckten die Forscher weitere, unerwartete Funktionen. So verlängerte das Genprodukt die Lebenserwartung der Fadenwürmer unter Hungerbedingungen und verbesserte die Überlebensrate bei Sauerstoffmangel. “p53 hilft den Tieren, auf ganz verschiedenartige negative Umwelteinflüsse zu reagieren”, sagt Rothman. Ein intaktes p53-Gen könnte aufgrund seiner verschiedenen Schutzwirkungen auch beim Menschen die Lebenserwartung positiv beeinflussen.
Biotechnologie-Unternehmen haben bereits begonnen, sich der Fadenwürmer als Testorganismen zu bedienen. Sie suchen nach therapeutisch und präventiv anwendbaren Wirkstoffen, die gegen Zellschädigungen und Krebs eingesetzt werden können.
Joachim Czichos





