Es ist wohl das deutlichste Anzeichen der globalen Erwärmung: Die Eismassen unseres Planeten schrumpfen zusehends und dies wird zur Gefahr für die Menschheit: Durch den Zustrom der gigantischen Schmelzwassermengen steigt der globale Meeresspiegel und damit drohen einigen dichtbesiedelten Küstenregionen Überflutungen. Neben den Eismassen des Nordens richtet sich der sorgenvolle Blick dabei auch auf den eisigen Süden. Als besonders anfällig für steigende Temperaturen gilt dort der Westantarktische Eisschild. Es handelt sich dabei um eine kilometerdicke Eismasse, die teils auf dem Festland der Westantarktis aufliegt und sich auch bis in das angrenzende Meer erstreckt.
War der Eisschild einst verschwunden?
Studien zufolge zeichnet sich bereits ab, dass der Klimawandel am Westantarktische Eisschild nagt. Doch wie sich dies im Zuge des Klimawandels weiterentwickeln könnte, ist unklar. Klar scheint hingegen, dass in einem weiteren Abschmelzen der gigantischen Eismassen großes Gefahrenpotenzial steckt: Bei einem Totalverlust des Westantarktischen Eisschilds würde der Meeresspiegel um etwa drei bis fünf Meter ansteigen. Aus einigen Untersuchungen geht auch hervor, dass es dazu kommen könnte. Denn möglicherweise liegt der Kipppunkt, der zu einem völligen Verlust der Eismassen führt, sogar innerhalb der aktuellen globalen Klimaziele von 1,5 bis 2 Grad Celsius Erwärmung.
Als Beleg dafür gelten geologische Hinweise darauf, dass der westantarktische Eisschild während der letzten Zwischeneiszeit vor 129.000 bis 116.000 Jahren abgeschmolzen sein könnte. Schätzungen zufolge lag damals die globale Durchschnittstemperatur nur um etwa ein Grad Celsius über den vorindustriellen Werten. Ob das Eisschild aber tatsächlich verschwunden war, gilt bisher als umstritten, denn es gab auch Studienergebnisse, die diesem Szenario widersprachen.
Achtarmige Zeugen des Eisverlustes?
Um neue Hinweise zu dieser geologisch-klimatischen Frage zu liefern, haben die Forscher um Sally Lau von der australischen James Cook University in Townsville nun einen Ansatz verfolgt, der zunächst überraschend erscheinen mag: Sie suchten nach Spuren des möglichen Eisverlustes in der genetischen Geschichte einer Oktopus-Art, die in den Randmeeren rund um die Antarktis vorkommt. Der Knackpunkt ist dabei: Die Populationen von Pareledone turqueti im Rossmeer und dem Weddellmeer werden heute durch die Eismassen des Westantarktischen Eisschilds und seiner Ausläufer geografisch voneinander isoliert. Spiegelt sich im Genom der Art vielleicht wider, dass dies in der Vergangenheit einmal nicht der Fall gewesen war?
Um diese Frage zu beantworten, sequenzierten die Forscher die Genome von insgesamt 96 Exemplaren des Pareledone-Kraken, die in verschiedenen Randmeeren der Antarktis gefangen wurden. Sie untersuchten das Erbgut der Tiere dabei auf sogenannte Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP) – charakteristische Veränderungen jeweils nur einer DNA-Base, anhand derer sich Populationsgruppen unterscheiden lassen. Zunächst zeigte sich dabei, dass sich die Subpopulationen in den verschiedenen Meeresbereichen tatsächlich in charakteristischer Weise genetisch unterscheiden. Doch zwischen den heute getrennten Kraken des Rossmeeres und des Weddellmeeres stellten die Forscher auffällige Anzeichen einer Vermischung im Erbgut fest.





