Wälder sind wichtige Akteure im irdischen Klimasystem. Ihre Fähigkeit, im Zuge ihrer Photosynthese große Mengen an Kohlendioxid aus der Luft aufzunehmen und zu binden, macht sie zu CO2-Senken und damit zu Gegenspielern des anthropogenen Klimawandels. Gäbe es die tropischen Wälder nicht, läge die irdische Mitteltemperatur im Schnitt ein Grad höher, wie Wissenschaftler kürzlich ausgerechnet haben. Doch diese Pufferwirkung nimmt ab: Hitze und Dürre setzen vielen Wäldern stark zu und mindern das Wachstum der Bäume oder lassen sie sogar absterben. Dadurch geht der Kühleffekt verloren und die Wälder in einigen Teilen der Tropen geben zeitweise sogar schon mehr CO2 ab als sie aufnehmen. Hinzu kommt, dass viele Tropenwälder durch Waldbrände und Rodungen dezimiert werden. Der Regenwald im Amazonasgebiet könnte einem ökologischen Kipppunkt schon gefährlich nahe sein, denn schon jetzt braucht er immer länger, um sich von Trockenperioden und anderen widrigen Umständen zu erholen.
Anhaltender Schwund der Wälder
Wie es um die weltweiten Waldflächen und ihre Zu- oder Abnahme steht, haben nun Ronald Estoque vom Waldforschungsinstitut in Japan und seine Kollegen noch einmal näher untersucht. Dafür werteten sie Satellitendaten zur weltweiten Landnutzung aus der Zeit von 1960 bis 2019 aus. “Die Überwachung der globalen Waldbestände ist ein integraler Bestandteil von verschiedenen globalen Umweltschutz- und Entwicklungsinitiativen, darunter den UN-Zielen zur nachhaltigen Entwicklung, dem Pariser Klimaabkommen und dem Post-2020-Rahmenvertrag zur globalen Biodiversität”, erklärt Estoque. Die Wälder spielen eine zentrale Rolle sowohl für die Erhaltung der Artenvielfalt wie für das Erreichen der Klimaschutzziele. Daher sei es wichtig, zu verfolgen, wie sich der Waldbestand entwickele.
Die Auswertungen ergaben, dass in der Zeit von 1960 bis 2019 rund 437,3 Millionen Hektar Wald gerodet, durch Waldbrände zerstört oder auf andere Weise verloren gegangen sind. Im gleichen Zeitraum gab es aber auch Waldzuwächse von rund 355 Millionen Hektar durch natürliche Regeneration, Aufforstung oder das klimabedingte Vordringen von Bäumen in zuvor baumlose Gebiete. Insgesamt kommen die Forscher damit auf einen Nettoverlust an globaler Waldfläche von 81,7 Millionen Hektar. Betrachtet man dies pro Kopf der menschlichen Bevölkerung und berechnet man das Wachstum der Weltbevölkerung in den letzten 60 Jahren mit ein, dann hat sich die Waldfläche pro Kopf von 1,4 Hektar im Jahr 1960 auf nur noch 0,5 Hektar im Jahr 2019 reduziert, wie Estoque und seine Kollegen berichten. Diese Entwaldung hat sich zudem in jüngster Zeit beschleunigt: 1990 bis 2000 lag der Netto-Waldverlust noch bei 14,8 Millionen Hektar, im letzten Jahrzehnt lag er bereits bei 35,5 Millionen Hektar.





