Die globale Erwärmung trifft nicht nur Grönland, die Antarktis und anderer Polarregionen – weltweit schmelzen die Gletscher der Gebirgsregionen. Schon jetzt sind die einst mächtigen Eisströme vieler Hochgebirgsgipfel stark dezimiert und ausgedünnt, wo früher ganze Täler mit Eis gefüllt waren, bleibt jetzt nur noch Wasser und Geröll. Zu den Gebirgen mit dem stärksten Gletscherschwund gehören neben den Alpen auch die südlichen Anden.
Nur zwei werden überdauern
Wie sich der Klimawandel auf die Gebirgsgletscher der Anden in Peru auswirkt, untersuchen Wissenschaftler um Christian Yarlequé vom peruanischen Nationalinstitut für Gletscher- und Gebirgsökosystemforschung (INAIGEM). Für ihre Studie haben sie Daten von GPS-Sensoren vor Ort, sowie Satellitendaten für die 18 Gebirgszüge der peruanischen Kordilleren ausgewertet. Mithilfe von Amazon Web Services erstellten die Forscher dann Modelle der Gletscherentwicklung, die ihnen auch die Prognose der kommenden Trends ermöglichten.
Das ernüchternde Ergebnis: Schon innerhalb der nächsten 20 Jahre wird die Hälfte der Berggletscher in den Kordilleren verschwunden sein. Einige dieser jahrtausendealten Eisflächen werden nicht einmal die nächsten Jahre überstehen, wie Yarlequé und sein Team ermittelten. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden fast alle Gipfel der peruanischen Anden eisfrei sein. Übrigbleiben werden nur Eisreste in den Gebirgszügen von Huayhuash und der Cordillera Blanca im Norden Perus. Die Forscher sehen in dieser Entwicklung einen Indikator dessen, was auch anderen Regionen der Anden und Südamerikas bevorsteht. “Was hier passiert, kann uns eine Menge darüber verraten, was in ähnlichen Regionen passieren wird und welche Folgen dies in weniger klimasensiblen Orten haben wird”, so Yarlequé.
Auswirkungen bis ins Amazonasgebiet
Der Verlust der Andengletscher könnte schwerwiegende Folgen für die Region, aber auch weit darüber hinaus haben. Denn die Klimabedingungen in Peru und den Anden beeinflussen auch großräumige Luftströmungen und Wetterlagen, die bis ins Amazonasgebiet reichen. “Was im Amazonasgebiet geschieht, hängt auch von der Erwärmung in Peru ab”, erklärt Yarlequé. “Die Veränderungen bei uns werden daher über Peru hinaus spürbar sein. Wenn die Temperaturen in den Tälern der Anden steigen, wandeln sich Wind- und Niederschlagsmuster auch anderswo.”

Mit den Andengletschern geht jedoch auch ein wertvolles Archiv der Umwelt- und Klimageschichte verloren. Denn ähnlich wie andere Berggletscher haben die über Jahrtausende abgelagerten Eisschichten auf den Gipfeln der Anden in ihren Gaseinschlüssen und ihrer Isotopenverteilung wertvolle Informationen aus der Vergangenheit konserviert. Die Auswertung solcher Daten kann beispielsweise verraten, wie das Klima in vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden schwankte, aber auch, wann beispielsweise die Menschen begannen, durch Bergbau, Metallverarbeitung und andere Tätigkeiten Schadstoffe in die Umwelt zu entlassen.





