Schnecken erhöhen bei der Paarung mit so genannten Liebespfeilen ihre Chancen auf eine Vaterschaft. Diese wenige Millimeter langen Stacheln aus einem kalkhaltigen Material rammen sie dem Sexualpartner ins Fleisch und übertragen dabei Substanzen, die den Partner empfänglicher für das Sperma machen. Wie erfolgreich diese Strategie ist, haben nun kanadische Wissenschaftler untersucht.
Lungenschnecken wie die in Mitteleuropa bekannte Weinbergschnecke oder die von den kanadischen Forschern untersuchte Schneckenart Cantareus aspersus sind Zwitter: Jedes Tier kann bei der Paarung sowohl die männliche als auch die weibliche Rolle einnehmen. Zum Balzverhalten einiger Lungenschneckenarten gehört ein bizarres Ritual: Das Tier, das den männlichen Part einnimmt, stößt vor dem eigentlichen Sex seinem Partner ein hartes, speerartiges Geschoss in den Körper. Schon länger wussten Forscher, dass die Tiere damit die Chancen auf Nachkommen erhöhen.
Dies hängt mit einem schleimigen Sekret zusammen, das die Tiere beim Einstechen auf ihren Partner übertragen, konnte Ronald Chase und Katrina Blanchard nun zeigen. Dazu injizierten sie einigen Schnecken das Sperma von jeweils zwei potenziellen Schneckenvätern. Vor jeder der beiden Spermaspritzen pieksten die Wissenschaftler die zukünftigen Schneckenmütter mit einer Nadel, um den natürlichen Pfeil zu simulieren. Einmal verabreichten sie zusammen mit dem Samen auch das schleimige Sekret, während sie die andere Spermaportion ohne den Schleim spritzten.
Als die befruchtete Schnecke einige Tage später ihre Eier abgelegt hatte, machten die Wissenschaftler mit dem Nachwuchs einen Vaterschaftstest. Dabei zeigte sich, dass derjenige Spermaspender, dessen Samen zusätzlich den Schleim des Liebespfeils enthielt, mehr als doppelt so viele Nachkommen gezeugt hatte wie sein Artgenosse ohne Schleimzugabe.
Nicht der Liebespfeil selbst, sondern der mittransportierte Schleim fördert demnach die Befruchtung, schlossen die Wissenschaftler. Außerdem zeigte sich, dass unabhängig von der Schleimgabe der erste Samenspender stets mehr Nachkommen produzieren konnte als sein Nachfolger. Daher könnten Schnecken ihre Fortpflanzungschancen steigern, indem sie entweder sichere Schützen sind oder sich nur mit Jungfrauen paaren, schreiben die Forscher.
Ronald Chase, Katrina Blanchard (McGill-Universität, Montreal): Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2006.3474 ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann





