Französische Wissenschaftler haben Einblicke in die raffinierte Kampfstrategie einer afrikanischen Ameisenart gewonnen: Die Krabbler verströmen ein Gift mit dem sie Termiten aus der Distanz lähmen und sogar töten können. So überwältigen sie kampflos die körperlich überlegenen Beutetiere. Das Gift könnte als Vorbild für die Entwicklung von Bio-Insektizide dienen, um Termitenplagen zu bekämpfen, hoffen die Biologen um Aline Rifflet von der Universität Toulouse.
Den Forschern zufolge basiert die chemische Waffe der Ameisenart Crematogaster striatula auf einem Sekret, das sie über Drüsen am Hinterleib produzieren. Ausgeschieden verwandelt es sich in flüchtige Substanzen. Zwischen den Ameisen eines Staates dient der Stoff der Erkennung untereinander. Ameisen anderer Arten schreckt er dagegen ab: sie suchen das Weite und säubern Füße und Fühler. Auf Termiten hat die Substanz dagegen eine weitaus drastischere Wirkung. Die Substanz ist für sie giftig ? sie werden gelähmt und rollen auf den Rücken, so die Beobachtungen der Forscher. Kommen Termiten länger mit den giftigen Dünsten des Ameisensekrets in Kontakt, können sie auch sterben ? und das ohne jeglichen Kontakt zu ihren Peinigern, berichten die Wissenschaftler.
Gezielter Einsatz zur Schädlingsbekämpfung
Um dem Wirkprinzip auf die Spur zu kommen, untersuchten die Biologen die Zusammensetzung des Sekrets. Es besteht offenbar aus langen Alkaloid-Ketten, also stickstoffhaltigen Kohlenwasserstoffen. Wird das Sekret ausgeschieden, kommt es zu Reaktionen, welche die Toxizität stark erhöhen und so ihre für Termiten tödliche Wirkung entfalten. Wie genau das abläuft wollen die Wissenschaftler nun noch genauer entschlüsseln.
Aline Rifflet und seine Kollegen erhoffen sich von den weiteren Untersuchungen, zur Entwicklung eines natürlichen Insektizids gegen Termiten beitragen zu können. Dafür gibt es enormen Bedarf: Besonders in den Südstaaten der USA verursachen Termiten an Holzbauten jedes Jahr Milliardenschäden. Aber auch in Europa fressen sich die hartnäckigen Insekten durchs Holz und lassen es schließlich zerbröseln. Durch den globalen Handel haben sie sogar schon nördliche Hafenstädte wie beispielsweise Hamburg erreicht.
Aline Rifflet (Université de Toulouse) et al.: PLoS One, doi: 10.1371/journal.pone.0028571 ©wissenschaft.de ? Marion Martin





