Die Tunesische Wüstenameise Cataglyphis fortis „zählt” ihre Schritte, um Entfernungen zu messen. Das haben Matthias Wittlinger von der Universität Ulm und Rüdiger Wehner von der Universität Zürich herausgefunden. Dazu ließen die Biologen die Tiere zunächst mehrmals von ihrem Nest zu einer zehn Meter entfernten Futterstelle und wieder zurück laufen. Danach veränderten sie die Schrittlänge der Insekten: Sie verkürzten einem Teil der Ameisen die Beine, die anderen erhielten durch angeklebte Schweineborsten „Stelzen”. Anschließend wurden die Tiere an die Futterstelle gesetzt.
Es zeigte sich, dass die beinamputierten Ameisen, die kürzere Schritte machen mussten, etwa fünf Meter vor ihrem Bau anhielten und ihn suchten. Dagegen schossen die Ameisen auf Stelzen fünf Meter über das Ziel hinaus. Mit Hochfrequenz-Videoaufnahmen konnten Wittlinger und Wehner beweisen, dass die modifizierten Insekten genau so viele Schritte gemacht hatten wie vor dem Eingriff. Allerdings passierte den Tieren dieses Malheur nur einmal. Als sie in einem zweiten Versuch vom Nest zur Futterstelle und wieder zurück laufen sollten, funktionierte der Schrittzähler wieder. Jetzt soll dieser Mechanismus genauer untersucht werden.




