Der Amazonas-Regenwald ist der größte tropische Regenwald der Erde und damit ein wichtiger Akteur im irdischen Klimasystem. Denn seine Bäume nehmen über ihre Photosynthese große Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und wirken damit als CO2-Senke. Wie ein Puffer gleicht der Regenwald damit zumindest einen Teil der menschlichen CO2-Emissionen aus. Gleichzeitig beeinflusst das Amazonasgebiet das Klima der gesamten Region, weil es über seine Verdunstung die Luft mit Feuchtigkeit anreichert, die dann anderswo als Regen fällt. Doch in den letzten Jahren setzten Brände, Rodungen und andere menschliche Eingriffe sowie die globale Erwärmung dem Regenwald zu: Er verliert an Fläche, Trockenperioden häufen sich und auch einen Teil seiner CO2-Pufferwirkung hat der Regenwald schon eingebüßt.
Schwindende Resilienz als Vorzeichen des Kipppunkts
Schon länger gilt der Amazonas-Regenwald zudem als Kipp-Element im Klimasystem. Ein solches System, kann nach längerem, schleichendem Vorlauf relativ abrupt in einen gänzlich neuen Gleichgewichtszustand wechseln. Im Falle des Amazonasgebiets würde dies bedeuten, dass aus dem warmfeuchten Regenwald eine eher trockene Savannenlandschaft wird. “Der Amazonas-Regenwald ist aber ein hochkomplexes System, sodass es sehr schwer vorherzusagen ist, wann der Kipppunkt erreicht werden könnte”, erklärt Erstautor Chris Boulton von der University of Exeter. Er und sein Team haben daher mithilfe von Satellitendaten nach einem möglichen Vorzeichen eines solchen Umkippens gesucht: einer Verschlechterung der Resilienz. Als solche bezeichnen die Forscher dir Fähigkeit des Regenwalds, sich von widrigen Umständen wie einer Trockenheit schnell wieder zu erholen.
“Der Regenwald kann äußerlich noch weitgehend normal aussehen, aber dennoch an Resilienz verlieren”, erklärt Seniorautor Niklas Boers vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. “Wenn zu viel Resilienz verloren gegangen ist, dann wird ein Waldverlust unumkehrbar. Wenn dies jedoch sichtbar wird, ist es wahrscheinlich schon zu spät, um dies noch zu stoppen.” Wie das Team erklärt, zeigt sich eine schwindende Resilienz unter anderem darin, dass der Regenwald immer länger benötigt, um sich nach einer Dürre oder einem Brand zu erholen. Ob dies schon der Fall ist, haben sie anhand von mittels Satelliten erhobenen Daten zur Biomasse, Blattdichte und Vegetationsbedeckung aus den letzten 30 Jahren ermittelt. “Unsere Studie hat dabei im Detail und von Monat zu Monat die Reaktionen des Regenwalds auf die fluktuierenden Wetterbedingungen analysiert”, so Boers.





