Das Kästchen ist gerade 32,5 Zentimeter lang und wiegt rund 1,5 Kilogramm. Dennoch soll es Großes vollbringen – nämlich Migränepatienten die Schmerzen nehmen. Seine Funktionsweise basiert auf der sogenannten transkraniellen Magnetsimulation: Man hält das Kästchen an den Hinterkopf und erzeugt dort extrem kurze Magnetpulse, die im Gehirn einen schwachen Stromfluss induzieren. Dieser soll die elektrische Aktivität der Nervenzellen beeinflussen und wieder normalisieren, wenn sie bei einer Migräne-Attacke aus dem Takt geraten ist. Soweit die Theorie.
In der Praxis ist die Sache wohl nicht ganz so einfach, mussten Richard Lipton vom Albert-Einstein-College für Medizin in New York und seine Kollegen feststellen. Sie testeten das bisher nur als Prototyp verfügbare Gerät an insgesamt 200 Freiwilligen, die an Migräne mit Aura litten – einer Migräneform, bei der den Schmerzen Symptome wie Flackern vor den Augen, ein Kribbeln oder ähnliches vorausgehen. Die Hälfte der Teilnehmer bekam das echte Gerät, die andere Hälfte ein identisch aussehendes, aber funktionsloses Kästchen. Alle Probanden sollten das Gerät einschalten, sobald bei ihnen die Aura-Symptome einsetzten. Resultat: Nach zwei Stunden waren 39 Prozent der Teilnehmer aus der Testgruppe schmerzfrei, aber nur 22 Prozent aus der Placebogruppe. Ein gewisser Effekt sei also festzustellen, schreiben die Forscher, auch wenn er nicht so eindeutig ausgefallen sei wie erhofft.
Hans-Christoph Diener, Migräne-Spezialist vom Uniklinikum Essen, ist prinzipiell angetan von der Methode: „Wenn man etwa am Wochenende zu Hause einen Anfall bekommt, wäre so ein Gerät ganz praktisch, weil es keine Nebenwirkungen hat”, sagt er. Dennoch ist er skeptisch. Man müsse erst einmal abwarten, ob das Ergebnis in einer zweiten, unabhängigen Studie bestätigt würde, betont er. Zudem sei unklar, ob das Prinzip auch bei Migräne ohne Aura funktioniert, unter der schließlich die überwiegende Mehrheit der Betroffenen litten. „Da gibt es ein methodisches Problem: Das Gerät muss eingesetzt werden, bevor die Kopfschmerzen auftreten. Wie ist das ohne die warnenden Aura-Symptome möglich?”
Laut der kalifornischen Entwicklerfirma Neuralieve ist noch offen, ob das kleine Stimulationsgerät überhaupt zugelassen wird und auf den Markt kommt – und wenn ja, wann. Es gebe im Moment sowohl Gespräche mit der amerikanischen FDA als auch Pläne, das System irgendwo in Europa flächendeckend zu testen, teilt die Geschäftsführerin Ting Lu mit. Genaueres will sie aber nicht preisgeben.





