Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit können Gedächtnisdefizite durch die Aktivierung bestimmter Gehirnregionen kompensieren, berichten kanadische Forscher in der Fachzeitschrift Journal of Neuroscience (Ausgabe 1. Februar). Patienten, die in Gedächtnistests besser abschnitten, wiesen einen stärkere Gehirnaktivität im so genannten präfrontalen Cortex auf als Patienten, die in diesen Tests schlechtere Ergebnisse erzielten.
In der Studie des Baycrest-Zentrums für Altenpflege in Toronto wurde bei zwölf Alzheimer-Patienten und elf gesunden älteren Personen die Gehirnaktivität gemessen, während sie verschiedene Gedächtnistests ausführten. Dazu wurde die so genannten Positron-Emissions-Tomographie (PET) verwendet, mit der sich die Stärke des Blutflusses in verschiedenen Gehirnregionen erfassen läßt.
Die gesunden Probanden schnitten in allen Gedächtnisaufgaben durchschnittlich besser ab als die Alzheimer-Patienten. In der Gruppe der Patienten gab es jedoch große Unterschiede in der Gedächtnisleistung: Manche Patienten erinnerten sich nur an wenige der dargebotenen Wörter, andere zeigten jedoch ebenso gute Leistungen wie die Gesunden. Bei den in den Tests erfolgreicheren Patienten war eine ausgedehntere Region im Stirnhirn aktiv als bei den vergesslicheren, stellten die Wissenschaftler um Cheryl Grady gleichzeitig fest.
Das Aktivierungsmuster der “guten” Patienten unterschied sich außerdem von der Aktivierung bei den gesunden Versuchsteilnehmern. Grady nimmt daher an, dass manche Alzheimer-Patienten im Frühstadium Regionen im Stirnhirn aktivieren, um die Beeinträchtigung in anderen Gedächtnisregionen auszugleichen.
Die Altersforscherin glaubt zwar nicht, dass dieser Ausgleich auch in späteren Stadien der Erkrankung noch funktioniert. Sie hofft jedoch, dass weitere Untersuchungen zeigen können, wie weit sich der geistigen Verfall durch diesen Effekt verzögern lässt.
ddp/bdw – Christine Amrhein





