Alte Menschen behalten Gesichter mit positivem Ausdruck besser in Erinnerung, während junge Leute sich an traurige und glückliche Gesichter gleich gut erinnern. Das ist das Fazit einer Studie amerikanischer Psychologen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift “Psychological Science”.
Mara Mather und Laura Carstensen von den Universitäten in Stanford und Santa Cruz zeigten 52 älteren und 52 jüngeren Probanden Fotografien von Gesichtern mit entweder einem neutralen, zornigen, traurigen oder glücklichen Ausdruck. Die Psychologen untersuchten, welche Emotionen bei den beiden Testgruppen die größte Aufmerksamkeit erregte und bei welcher Mimik die Gesichter am besten wiedererkannt wurden.
Die jüngeren Probanden bevorzugten in beiden Fällen die emotionalen Gesichter vor denen mit neutralem Ausdruck. Dabei hingen weder die Aufmerksamkeit noch der Wiedererkennungswert von der Art des gezeigten Gefühls ab. Die älteren Probanden hingegen widmeten immer dem Gesicht die meiste Aufmerksamkeit, das positivere Gefühle zeigte. So wurden neutrale Gesichter gegenüber zornigen oder traurigen bevorzugt und glückliche besser wahrgenommen als neutrale. Auch erkannten die älteren Testpersonen die positiveren Gesichter deutlich leichter wieder.
Diese Tendenz zu positiven Gefühlen spiegelt nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen die allgemeine Veränderung von Prioritäten und Zielen im Alter wider. Jüngere Menschen müssten sich viel mehr Gedanken über die Zukunft machen und versuchten daher, so viele Informationen wie möglich aufzunehmen. Dabei spielten die eigenen Gefühle eine untergeordnete Rolle. Ältere Menschen dagegen lebten mehr in der Gegenwart und seien im allgemeinen emotional viel zufriedener. Diese Zufriedenheit entstehe nicht zuletzt durch eine Verschiebung der Wahrnehmung, bei der positive Ereignisse und Gefühle schneller wahrgenommen und besser abgespeichert werden als negative.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





