Mit einer chemisch veränderten Form des Antibiotikums Tetrazyklin konnte die Krebsart Kaposi-Sarkom erfolgreich behandelt werden. Bei 20 Prozent aller AIDS-Patienten tritt diese Krebsart auf. Bruce Dezube vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston präsentierte die Ergebnisse einer Studie mit dem als Metastat bezeichneten neuen Wirkstoff auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in San Francisco.
Die Forscher hatten den für die antibakterielle Wirkung verantwortlichen Teil des Tetrazyklinmoleküls durch einen Bestandteil ersetzt, der bestimmte, enzymkatalysierte Stoffabbauprozesse hemmt. Im Anfangsstadium ist eine Tumor von einer Membran umgeben und so vom angrenzenden Gewebe getrennt. Um zu wachsen, müssen die Krebszellen diese Hülle aufbrechen. Zudem müssen sie die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) auslösen, um die Versorgung mit Nährstoffen sicherzustellen. Beide Vorgänge werden durch Metastat blockiert: Die Zerstörung der Hüllmembran und die Bildung von Wachstumsfaktoren, die für die Angiogenese notwendig sind.
An der Studie nahmen 18 HIV-Patienten mit Kaposi-Sarkom teil. Nach vierwöchiger Behandlung war ein Patient völlig tumorfrei, bei sieben Patienten hatte sich die Tumorgröße um die Hälfte verringert, zwei Testpersonen zeigten keine Veränderung, bei fünf Teilnehmern schritt die Krankheit weiter fort, drei sind noch in Behandlung. Zur Bestätigung der Ergebnisse ist für den Mai der Beginn einer Folgestudie mit 70 Patienten geplant.
Im Gegensatz zur konventionellen Chemotherapie, die auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft zieht, wirkt Metastat gezielter auf die Krebszellen. Dabei treten weniger Nebenwirkungen auf. Noch wichtiger ist, dass der neue Wirkstoff das Immunsystem nicht schwächt. Das ist insbesondere im Hinblick auf die bereits geschwächte Immunabwehr von HIV-Patienten von Bedeutung.
Das amerikanische National Cancer Institute fördert vier weitere Studien, die die Wirksamkeit von Metastat auch bei anderen Krebsformen überprüfen sollen. Darüber hinaus besteht die Hoffnung, modifizierte Tetrazykline auch bei anderen Krankheiten wie Arthritis und Osteoporose einsetzen zu können. Erste Studien konnten eine Hemmung gewebezerstörender Prozesse auch bei diesen Erkrankungen nachweisen.
Joachim Czichos





