Stetiger Humusschwund
Wie der Humusbestand der Wälder in den deutschen Alpen aussieht und ob es dort schon erste Anzeichen für eine Destabilisierung des Gleichgewichts gibt, haben Prietzel und seine Kollegen nun erstmals untersucht. Für ihre Studie werteten sie Daten zweier Langzeitstudien aus, die Bodenanalysen von insgesamt 35 Bergwäldern und Almwiesen umfassten. Im Rahmen der ersten wurden zwischen 1986 und 2011 Bodenproben aus dem gesamten Gebiet der bayrischen Alpen entnommen. Für die zweite wurden ab 197 typische Gebirgsfichtenwälder im Berchtesgadener Land auf einer Gesamtfläche 600 Quadratkilometer beobachtet. Diese beiden
unabhängig voneinander durchgeführte Untersuchungen erlauben Rückschlüsse darauf, wie sich die Bodenverhältnisse in den vergangenen 30 Jahren verändert haben.
Das Ergebnis der Auswertungen: In den letzten 30 Jahren hat sich der Humusvorrat der alpinen Waldböden um durchschnittlich rund 14 Prozent verringert. “Dass die Humusvorräte der Waldböden in nur drei Jahrzehnten derart stark und statistisch signifikant abgenommen haben, war für mich überraschend”, sagt Prietzel. Am stärksten fiel der Humusverlust in Gebieten mit besonders starker Erwärmung aus: “Besonders stark betroffen sind die Alpen im Berchtesgadener Land”, erläutert Prietzel. Denn dort sei die mittlere Lufttemperatur in den Sommermonaten besonders intensiv gestiegen. Weil sich dadurch auch die Böden stärker erwärmen und dies die Mikrobentätigkeit anregt, sorgt dies vermutlich für einen besonders rasch fortschreitenden Humusabbau. Überdurchschnittlich stark verringert hat sich dabei der Humusgehalt in Böden auf Kalk- oder Dolomitgestein, wie die Forscher berichten. Sie büßten im Durchschnitt sogar knapp ein Drittel ihrer Humusmasse ein. Zwar enthalten diese Böden von Natur aus besonders viel organischen Kohlenstoff, aufgrund ihrer Struktur sind sie aber leichter zugänglich und zersetzbar als andere Humusböden.
“Schlüsselrolle des Klimawandels”
Was aber ist die Ursache des Humusschwunds in den Waldböden der Alpen? Weil sich die Nutzung und Bewirtschaftung der Wälder in den letzten 50 Jahren nicht verändert hat, können solche direkten menschlichen Eingriffe nicht der Grund für diesen Humusschwund sein, wie die Forscher betonen. Die Ursache müsse stattdessen das sich verändernde Klima sein. “Es gibt substantielle Beweise für eine Schlüsselrolle des Klimawandels”, berichten sie. So zeigen Messdaten, dass sich die Temperaturen in den deutschen Alpen um rund 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt erhöht haben. Am stärksten war diese Erwärmung in den letzten drei Jahrzehnten – und damit genau in dem Zeitraum, in dem die Forscher auch den Humusschwund festgestellt haben. Auch die Tatsache, dass die Waldböden überall dort am meisten Humus verloren haben, wo es die größten Temperaturanstiege gab, spreche dafür. “Wir schließen aus unseren Ergebnissen, dass die Klimaerwärmung der wahrscheinlichste Grund für die beobachteten Verluste des organischen Bodenkohlenstoffs ist, auch wenn Lage, Landnutzung und Höhe die Effekte des Klimawandels mit beeinflussen”, konstatieren die Forscher.





