Alpensalamander (Salamandra atra) glänzen tiefschwarz und besitzen keine der sonst bei Salamandern üblichen Warnfärbungen. Heimisch sind sie nur in abgelegenen Gebieten in den namensgebenden Alpen sowie einigen Gebirgen des Balkans. Dort bewohnen die Salamander feuchte Laubwälder, Strauchheiden und Grasmatten und werden daher auch Berg- oder Regenmandl genannt. In Deutschland bewohnen die zierlichen Schwanzlurche ausschließlich den Süden Bayerns und den äußersten Südosten von Baden-Württemberg. Wegen dieser engen regionalen Beschränkung auf den alpinen Raum, meist oberhalb von 800 Metern, ist die Art unter den 20 bei uns einheimischen Amphibienarten ein regelrechter Exot.

Bedrohte Heimat in den Alpen
Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) hat den Alpensalamander nun zum „Lurch des Jahres“ 2026 gewählt. Mit dieser Auszeichnung soll er als Botschafter zum Schutz der alpinen Natur beitragen und auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Zwar kommt der Alpensalamander in seiner bergigen Heimat noch häufig vor und der Bestand der europaweit „streng geschützten“ Art scheint in diesem begrenzten Rahmen derzeit stabil. Die Art gilt in den Roten Listen Deutschlands entsprechend noch als „ungefährdet“, einige seltene Unterarten sind jedoch vom Aussterben bedroht.
Als auf Kälte spezialisierte, wechselwarme Art ist der Alpensalamander allerdings generell in Gefahr. Denn im Zuge des Klimawandels wird es auch in den Alpen immer wärmer. Der Salamander muss daher künftig in höhere Berglagen ausweichen, wodurch sein Lebensraum schrumpft. Hinzu kommen weitere menschengemachte Risikofaktoren für den Lurch wie die zunehmende Bebauung und Nutzung der Alpen als Skipisten, der Verkehr auf alpinen Straßen und die Almwirtschaft. Sie alle tragen ebenfalls dazu bei, dass die Lebensräume des Salamanders schwinden.
Darüber hinaus könnte künftig ein natürlicher Feind dem Alpensalamander gefährlich werden: der Salamander-Chytridpilz (Bsal). Für Feuersalamander ist eine Infektion mit diesem Pilz meist tödlich, was in Europa bereits zu Massensterben geführt hat. Bei wildlebenden Exemplaren des verwandten Alpensalamanders wurde der neuartige Krankheitserreger zwar bislang noch nicht nachgewiesen. Alpensalamander im Labor erwiesen sich jedoch als anfällig für Infektionen mit dem Pilz. Zudem wurde bereits nachgewiesen, dass sich alpine Molche in nächster Nachbarschaft zu den Alpensalamandern angesteckt hatten. Eine Übertragung könnte demnach unmittelbar bevorstehen.

Fortpflanzung durch Lebendgeburten
Gravierende Nachteile im Überlebenskampf in seiner alpinen Heimat hat der „Lurch des Jahres“ 2026 zudem durch seine spezielle Lebensweise. Der Alpensalamander verbringt wegen der Kälte in den Bergen viel Zeit in der Winterstarre und paart sich nur bei passenden Wetter- und Temperaturbedingungen. Zudem bringt er nur alle zwei bis vier Jahre ein oder zwei Jungtiere pro Weibchen zur Welt. Damit hat er eine extrem geringe Reproduktionsrate und besitzt unter allen Landwirbeltieren die längste Tragzeit.
Das kommt daher, dass der Alpensalamander keine Eier legt, wie es Amphibien normalerweise tun, sondern lebende und bereits voll entwickelte Jungtiere gebärt. Die Larven des Alpensalamanders entwickeln sich demnach nicht wie sonst üblich nach dem Legen und Schlüpfen der Eier in Gewässern, sondern komplett im weiblichen Uterus. Diese zeitaufwändige Fortpflanzung ist unter allen Frosch- und Schwanzlurchen weltweit einzigartig und kommt nur beim Alpensalamander in Europa vor. Die Fortpflanzung des „Lurchs des Jahres“ ist dadurch zwar unabhängig von den im Hochgebirge seltenen Gewässern, aber dennoch auf eine intakte Umwelt und geeignete Lebensbedingungen angewiesen.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT), Kompetenzzentrum Alpensalamander





