Bereits vor der gezielten Alkoholherstellung
Bisher wurde vermutet, dass sich die effektiven Alkoholdehydrogenasen des Menschen erst mit dem Aufkommen der Vorratshaltung und der gezielten Alkoholproduktion entwickelt haben – vor etwa 9.000 Jahren. Doch die Ergebnisse der Forscher um Matthew Carrigan von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis erweitern den Zeitrahmen nun offenbar drastisch. Sie sind der Entwicklungsgeschichte der Alkoholdehydrogenasen erstmals mit Mitteln der Genetik und Proteinanalytik systematisch nachgegangen.
Sie erfassten dazu die Erbanlagen für Alkoholdehydrogenasen von 28 Säugetierarten, darunter 17 Primaten. Die Analyseergebnisse dieser Informationen ließen Rückschlüsse darauf zu, wann sich welche Formen der Enzyme in der Evolutionsgeschichte der Primaten herausgebildet haben. Aus den genetischen Informationen konnten die Forscher dann Modelle der Proteine entwickeln, deren Baupläne die Erbanlagen repräsentieren. Anhand der Merkmale der modellierten Alkoholdehydrogenasen waren anschließend Rückschlüsse über deren Effektivität beim Abbau von Ethanol möglich.
Die vergorene Früchte waren es!
Unterm Strich kamen Carrigan und seine Kollegen zu dem Ergebnis: Die genetische Mutation, die zu einer gesteigerten Fähigkeit zum Ethanol-Abbau führte, entstand vor etwa zehn Millionen Jahren. Den Forschern zufolge bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die damaligen Vertreter unseres Stammbaumes erstmals begannen, größere Mengen Alkohol zu sich zu nehmen. Vermutlich sei dies auf einen wichtigen Schritt in der Entwicklungsgeschichte der Menschenaffen zurückzuführen: Unsere entfernten Ahnen verließen zunehmend die Baumkronen, um Nahrung am Boden zu suchen. Und dort fanden sie vermutlich häufig bereits vergorene Früchte.





