Giftige Stickoxide belasten besonders in verkehrsreichen Großstädten die Atemluft. Britische Forscher wollen nun diese Schadstoffe mithilfe der Farbe “Ecopaint” unschädlich machen. Denn die Stickoxide können durch eine bestrichene Oberfläche in die Farbschicht eindringen und werden durch Nanometer kleine Teilchen aus Titandioxid festgehalten. Feldversuche in Mailand sollen laut dem Magazin “New Scientist” eindeutig gezeigt haben, dass solche aktiven Farbanstriche die Konzentration an Stickoxiden auf Straßenniveau um 60 Prozent senken können.
Herzstücke der luftreinigenden Farbe “Ecopaint” sind kugelförmige rund 30 Millionstel Millimeter kleine Partikel aus Kalziumcarbonat und Titandioxid. Die Entwickler der britischen Firma Millennium Chemicals in Grimsby mischten diese Nanoteilchen in eine Masse auf der Basis von Polysiloxan. Aufgetragen auf eine Oberfläche zeigte sich dieser Anstrich porös genug, damit Stickoxide hinein diffundieren konnten und so der Atemluft entzogen wurden.
Nachdem die Schadstoff-Moleküle an die Titandioxid-Partikel andocken, werden sie unter Sonneneinstrahlung zu stickstoffhaltigen Säuren umgesetzt. Zur Regenerierung des Anstrichs kann einerseits Regen dienen, der diese Säuren auswäscht. Andererseits kann das ebenfalls beigemischte Kalziumcarbonat die Säuren neutralisieren.
Parallel testeten Experten für Luftqualität am europäischen Forschungszentrum (JRC) im italienischen Ispra die verblüffenden Eigenschaften dieser Farbe. Die Luftturbulenzen in den Städten reichten demnach aus, um konstant die Schadstoffgase auf die mit der aktiven Farbe bestrichenen Fassaden zu transportieren. Voraussichtlich wird “Ecopaint” nach der kürzlich erfolgten Erteilung der relevanten Patente noch dieses Jahr auf dem europäischen Markt verfügbar sein.
Jan Oliver Löfken





