Manche lauern in Löchern, einige hechten sich auf ihre Beute und andere weben kunstvolle Netze: Die Tausenden von Spinnenarten der Welt haben zahlreiche Techniken und Strategien entwickelt, um Insekten zu erbeuten. Sie stürzen sich allerdings dabei nicht auf alles, was ihnen ins Sichtfeld krabbelt oder im Netz strampelt: Um kein unnötiges Risiko einzugehen, meiden Spinnen in der Regel wehrhafte Insektenarten. Auf diese Weise konnten sich vor allem Ameisen die Räuberinnen vom Hals halten. Viele Ameisenarten sind mit starken Beißern und oft auch mit giftigen Stacheln schwer bewaffnet. So können sie schnell zur letzten Beute einer wagemutigen Spinne werden. Obwohl Ameisen so zahlreich vorkommen, haben es deshalb nur sehr wenige Spinnenarten auf die rabiaten Krabbler abgesehen.
Wie besiegt die „Ant-Slayerin“ ihre gefährliche Beute?
Mit einer besonders markanten Ausnahme haben sich nun die Biologen um Alfonso Aceves-Aparicio von der Macquarie Universität in Sydney genauer befasst. Die Australische Kugelspinne Euryopis umbilicata geht auf den Stämmen von Eukalyptusbäumen in der Abenddämmerung auf die Jagd. Es war bereits bekannt, dass diese etwa ein Zentimeter großen Arachniden dabei auch Ameisen erbeuten. Das hat der Art den Namen „Ant-Slayer“ eingebracht. Wie ihnen das aber genau gelingt, war unklar, denn ihr Beutefang spielt sich in Sekundenbruchteilen ab und ist deshalb für den Menschen nicht mit dem bloßen Auge erkennbar.
Zunächst untersuchte das Team, auf welche Beute es die Spinne genau abgesehen hat. „Erstaunlicherweise bestanden fast alle Beutestücke ausschließlich aus Ameisen der Art Camponotus consobrinus. Eine solch extreme Beutespezialisierung wie bei dieser Spinne ist ungewöhnlich, da sie sich in der Regel von verschiedenen Beutetieren ernähren“, sagt Aceves-Aparicio. „Außerdem greifen die meisten Raubtiere Opfer an, die kleiner sind als sie selbst. Doch in diesem Fall sind die Ameisen etwa doppelt so groß wie die Spinnen“, hebt der Biologe hervor. Wie sie die wehrhaften Riesen dennoch überwältigen, haben Aceves-Aparicio und seine Kollegen anschließend durch detaillierte Verhaltensanalysen aufgedeckt. Dazu sammelten sie C. consobrinus-Ameisen und ließen sie einzeln vor den Spinnen frei. Was dann passierte, filmte das Team mit bis zu 250 Bildern pro Sekunde.
Wirbelnde Blitz-Jagdtechnik
Die Analysen von 60 Jagdsequenzen zeigten, dass die Jagd in Phasen abläuft. Zunächst vollführt die Spinne einen akrobatisch wirkenden Blitzangriff: In nur 300 Millisekunden schleudert sie sich mit einer Drehbewegung auf die Ameise und befestigt dabei einen klebrigen Spinnfaden aus ihrem Hinterleib an ihr sowie der Unterlage. Danach wird das verankerte Opfer gefesselt: Die Spinne umkreist die Ameise in sicherer Entfernung, um sie mit immer mehr Spinnseide zu umwickeln. Dann beißt sie das wehrlose Opfer, um ihm den Rest zu geben. An einem Seidenfaden baumelnd schleppt die Räuberin ihre Beute dann an ein ruhiges Plätzchen, um sie zu verspeisen. „Die akrobatische, sehr schnelle Immobilisierung und das folgende Einwickeln der Beute mit Seide hat es diesen Spinnen offenbar ermöglicht, sich diese reichlich vorhandene, aber gefährliche Beute als Nahrungsquelle zu erschließen“, resümiert Aceves-Aparicio.





