Nur etwa 15 Prozent der Hühner in Freilandhaltung laufen tatsächlich im Freien herum ? die anderen haben zuviel Angst, aus ihrem Stall heraus zu kommen. Das berichten britische Forscher, die das Verhalten von über 20.000 Hühnern auf Geflügelfarmen untersucht hatten. Optimal sei für die Vögel ein Auslauf mit Bäumen, meldet der Online-Dienst des Fachmagazins “Nature”.
Wenn Eier oder Fleisch von Geflügel aus der so genannten Freilandhaltung stammen, stellen sich die meisten Kunden glückliche Hühner vor, die zufrieden im großen Hof des Bauern in der Erde scharren. Die Wirklichkeit sieht, zumindest aus Sicht der Hühner, anders aus. Trotz freien Zugangs nach draußen trauen sich nur die mutigsten Hühner aus ihrem Stall in den offenen Hof hinaus, fanden die Foscher um Marian Stamp Dawkins von der Universität in Oxford heraus. Die Mehrzahl bleibt lieber im überfüllten Stall.
Erheblich besser gefielen den Hühnern Flächen mit Bäumen, schreiben die Forscher. Die Tiere hielten sich dann fast ausschließlich im Schatten der Laubdächer auf. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Bäume mehrere Funktionen erfüllen: Neben einem Schutz vor Sonne und Wind finden die Hühner in ihrem Schatten auch trockene Stellen, wo sie sich im Staub wälzen können. Ebenso wichtig scheint auch die Deckung vor Feinden aus der Luft zu sein.
Die Suche nach Schutz unter Bäumen sei vermutlich auf die Herkunft der heutigen domestizierten Hühner zurückzuführen. Ihre wilden Vorfahren, die roten Dschungelhühner, lebten in asiatischen Bambuswäldern, erklären die Forscher. Nicht durch moderne Haltungsmethoden bedingte Faulheit halte die Tiere davon ab, ins Freie zu gehen, sondern Agoraphobie.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel