Bonobos (Pan paniscus) gelten allgemein als friedliebende Tiere, bei denen die Weibchen einen deutlich höheren Status haben als in anderen Affengesellschaften. Weil diese Tiere soziale Konflikte oft mit Sex lösen, werden sie auch als Hippie-Affen bezeichnet. Doch das Flower-Power-Image der Bonobos ist jetzt angekratzt. Denn Gottfried Hohmann und Martin Surbeck vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben im kongolesischen Salonga Nationalpark beobachtet, wie die Affen andere Primaten jagen und fressen.
Bisher glaubte man, Bonobos jagten nur kleinere Säugetiere wie Eichhörnchen und keine Affenarten – im Gegensatz zu ihren großen Brüdern, den Schimpansen. Bei ihnen erbeuten die Männchen andere Primaten und verzehren sie. Diesen Unterschied zwischen Bonobos und den patriarchalisch geprägten Schimpansen hatten Forscher immer mit einem Mangel an männlicher Dominanz bei den Bonobos und einer anderen evolutionären Entwicklung erklärt. Auch diese Theorie steht jetzt auf dem Prüfstand. Denn Hohmann beobachtete, dass sich sowohl Bonobo-Männchen als auch -Weibchen an den Beutezügen beteiligten. Er sieht das als Beleg für die Gleichberechtigung bei den Bonobos. Aber es stellt seiner Meinung nach auch in Frage, ob frühere evolutionäre Modelle stimmen, nach denen männliche Dominanz, Aggression und Jagd grundsätzlich zusammenhängen.





