Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) gehören zu den häufigsten Raubtieren Afrikas und haben eine besondere Vorliebe für Aas. Sie halten sich daher gern in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, um Nahrungsabfälle und Tierkadaver abzugreifen. In der Regel sind die opportunistischen Räuber allerdings nur südlich der Sahara zu finden. In Ägypten, im Norden Afrikas, gelten sie bereits seit über 5000 Jahren als ausgestorben.
Die ersten Hyäne seit 3000 vor Christus
Umso überraschender ist ein Vorfall aus dem Februar 2024, bei dem eine einzelne Tüpfelhyäne im Südosten Ägyptens, circa 30 Kilometer nördlich der sudanesischen Grenze, gesichtet wurde. „Meine erste Reaktion war Ungläubigkeit, bis ich mir die Fotos und Videos ansah“, sagt Abdullah Nagy von der Al-Azhar-Universität in Kairo, der nun zusammen mit seinem Team untersucht hat, was die Hyäne so weit nördlich zu suchen hatte. Die nächstgelegene Population dieser Tierart befindet sich rund 500 Kilometer vom Fundort entfernt im Sudan. Selbst wenn man bedenkt, dass Hyänen bis zu 27 Kilometer am Tag zurücklegen können, ist das immer noch eine enorme Distanz.

Die Idee: Vielleicht ebneten besondere Wetterbedingungen der Tüpfelhyäne den Weg nach Norden. Um das zu überprüfen, werteten Nagy und seine Kollegen Satellitendaten der Region aus den Jahren 1984 bis 2022 aus, um so die Entwicklung der Vegetation und damit auch indirekt die Niederschlagsmengen zu verfolgen. Und tatsächlich: Zwischen 2019 und 2022 war es an der ägyptisch-sudanesischen Grenzen deutlich nasser und grüner gewesen als in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten.
Dadurch hatte sich zwischen den beiden Ländern offenbar Schritt für Schritt ein grüner Korridor aufgetan, der zunächst mehr Weidetiere und schließlich auch Räuber wie die Hyäne angelockt haben könnte. „Die Gründe für ihre weite Reise nach Ägypten sind jedoch immer noch ein Rätsel, das weitere Forschungen erfordert“, betont Nagy.
Reise kostete Hyäne das Leben
Die Hyäne wäre allerdings besser im Süden geblieben, denn mit ihren Aktivitäten auf ägyptischem Gebiet ist sie bei der einheimischen Bevölkerung angeeckt. Konkret riss die Räuberin nachts innerhalb von zwei Tage zwei ihrer Ziegen. „Die Einheimischen sind meisterhafte Fährtenleser und mit allen großen Säugetieren der Region vertraut. Die Hyäne wurde von den Einheimischen aufgespürt, verfolgt und absichtlich von einem Pickup angefahren“, schreiben Nagy und seine Kollegen. Danach überließen die Menschen das tote Tier den Aasfressern, machten vorher allerdings noch Fotos von dem Kadaver und notierten die Koordinaten des Todesortes.





