Das östliche Mittelmeer ist eine der aktivsten Vulkanregionen der Welt. Aufeinanderstoßende Plattengrenzen haben hier mehrere Vulkangebiete erzeugt, darunter auf Sizilien, in Süditalien und im Bereich der Ägäis. “Der südägäische Vulkanbogen liegt im Herzen Europas und seine Unterseevulkane sind eine große potenzielle Bedrohung”, erklären Tim Druitt von der Universität Clermont-Auvergne und seine Kollegen. In diese Vulkanbogen liegt auch das Christiana-Santorini-Kolumbo-Vulkanfeld, das allein im Umfeld der griechischen Insel Santorini in den letzten 360.000 Jahren mindestens zwölf plinianische, von explosiven Asche- und Lavaeruptionen geprägte Ausbrüche ausgelöst hat. Die berühmteste Eruption dieses Vulkanfelds war der Thera-Ausbruch, der um 1600 vor Christus den gesamten östlichen Mittelmeerraum mit Asche und Tsunamis überzog und das Reich der Minoer untergehen ließ. Doch wie aktiv die vorwiegend unterseeischen Vulkane dieses Felds früher waren und heute noch sind, ist bisher erst in Teilen erforscht.
150 Meter dicke Bimssteinschicht
Deshalb hat das internationale Forschungsteam um Druitt die Vergangenheit des Christiana-Santorini-Kolumbo-Vulkanfelds nun genauer untersucht. Dafür entnahmen sie im Rahmen des internationalen Tiefbohrprogramms IODP an zwölf Stellen des Vulkanfelds Bohrkerne aus dem Meeresgrund. Die Bohrungen reichten bis in 90 Meter Tiefe und umfasste dadurch Ablagerungen aus den letzten rund 23 Millionen Jahren. Bei der Untersuchung der in den Bohrkernen enthaltenen Schichten entdeckten die Forschenden eine bis zu 150 Meter dicke Schicht aus Bimsstein und anderem Vulkanmaterial – Zeugnis eines zuvor unbekannten, heftigen Vulkanausbruchs. Diese Archaeos getaufte Eruption muss sich Datierungen zufolge vor rund 520.000 Jahren an einem Unterwasservulkan im Umfeld von Santorini ereignet haben. „Eine erste Datierung und die Abschätzung der Wassertiefe, in der die Eruption stattgefunden hat, war dank der Mikropaläontologie schon direkt an Bord möglich”, berichtet Co-Autor Steffen Kutterolf vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die entscheidenden Anhaltspunkte lieferten dabei Mikrofossilien in Form von Foraminiferenschalen.
Wie stark die Eruption damals war, verriet unter anderem die Mächtigkeit der vulkanischen Ablagerungen in den Bohrkernen: „Die neu entdeckte Tuffstein-Ablagerung hat ein Volumen von mehr als 90 Kubikkilometern und eine Mächtigkeit von bis zu 150 Metern”, berichtet Kutterolf. “Dies ist sechsmal größer als die Ablagerungen der pyroklastischen Ströme der Minoischen Eruption und zehnmal größer als die des Vulkanausbruchs Hunga Tonga-Hunga Ha’apai vom 22. Januar 2022.“ Allein der poröse Tuff hatte ein Volumen von mindestens 89 Kubikkilometern, wahrscheinlich noch deutlich mehr, wie die Forschenden ermittelten. Insgesamt erstrecken sich die größtenteils unterseeischen Vulkanablagerungen über eine Fläche von gut 3.000 Quadratkilometern. Auch auf den angrenzenden Inseln Santorini, Christiani und Anafi entdeckten sie einige meterdicke Bimssteinablagerungen. Um eine so große Menge an vulkanischem Material auszuschleudern, muss der Archaeos-Ausbruch enorm heftig gewesen sein.





