Ein spezieller Monitor soll Ärzten zeigen, ob bei einer Operation das Bewusstsein des Patienten wirklich ausgeschaltet ist. Mit einem solchen Gerät können Mediziner erkennen, dass ein Patient tatsächlich keinerlei Empfindungen oder Wahrnehmungen hat, konnten australische Wissenschaftler nun nachweisen. Damit könne das Risiko um etwa achtzig Prozent reduziert werden, bei einer Operation nur bewegungsunfähig aber durchaus wach zu sein. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 17. April, S. 6).
Etwa einer von 1.000 Patienten hat trotz Narkose später Erinnerungen an seine Operation. Meist sind es nur wenige Details, die wahrgenommen wurden, und die Betroffenen leiden nicht darunter. Gelegentlich schildern die Patienten jedoch albtraumhafte Erlebnisse, da sie bei wachen Sinnen und vollständiger Schmerzempfindlichkeit operiert wurden. Zu solchen Fällen kann es kommen, wenn die Narkose zu schwach ist, so dass nur die Bewegungs- und Sprechfähigkeit unterdrückt wird. Die australischen Ärzte Paul Myles vom Alfred Hospital in Melbourne und Kate Leslie vom Royal Melbourne Hospital zeigten, dass die meisten dieser Fälle mit einem Hirnwellenmonitor vermieden werden können.
Myles und Leslie befragten 2.500 Patienten vier Stunden, einen Tag und 30 Tage nach ihrer Operation, ob sie sich an diese erinnern können. Die Hälfte der Patienten wurde während der Narkose von den Ärzten auf Anzeichen von Bewusstsein untersucht, indem der Blutdruck, Schweißbildung und mögliche Bewegungen registriert wurden. Bei den anderen Patienten wurde stattdessen die Gehirnaktivität mittels einer Elektrode an der Stirn aufgezeichnet. Aus den komplexen Wellenmustern dieses Elektroenzephalogramms (EEG) berechnet ein mathematisches Programm einen Zahlenwert. Liegt dieser zwischen 40 und 60, ist die Narkose ausreichend, während ein Wert von 100 vollständige Wachheit anzeigt. Unter den Patienten, die mit diesem so genannten BIS-Monitor beobachtetet wurden, konnten sich nur zwei sicher an Details der Operation, wie Gespräche zwischen den Ärzten, erinnern. Bei der herkömmlich kontrollierten Gruppe waren es dagegen 11 Personen.
Einige Mediziner, wie Rolf Sandin vom Schwedischen Karolinska-Institut, stehen einem allgemeinen Einsatz des BIS-Monitors noch skeptisch gegenüber. So seien einige Patienten auch dann ohne Bewusstsein, wenn die Messwerte anzeigen, dass sie wach sind. Diesen Personen würde dann unter Umständen eine zu starke Narkose verabreicht ? mit den entsprechenden Gesundheitsrisiken. Myles und Leslie halten dem entgegen, dass die Patienten, die mit dem BIS-Monitor operiert wurden, im Allgemeinen früher aufwachten und folglich eine schwächere Narkose erhalten haben mussten. Der Einsatz des neuen Systems sei darum zumindest bei Kaiserschnitt- und Herzoperationen ? die nur unter leichter Narkose durchgeführt werden – zu empfehlen.
ddp/bdw ? Thomas Kappe





