Die Erfindung der Kunststoffe hat uns Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet, längst ist Plastik in unserem Alltag allgegenwärtig. Die günstigen, vielseitig einsetzbaren Polymere auf Erdölbasis sind leicht, beliebig formbar und noch dazu sehr haltbar. Kein Wunder, dass die Kunststoffproduktion seit den 1950er Jahren so rapide zugenommen hat, wie bei kaum einem anderen menschengemachten Material. Doch in den letzten Jahren zeigt sich mehr und mehr die Schattenseite der Plastikschwemme: Plastikmüll verschmutzt inzwischen nahezu alle Ozeane und Gewässer unseres Planeten. Forscher beziffern allein die Menge der Kunststoffpartikel in den Weltmeeren auf rund fünf Billionen. Jedes Jahr werden weitere acht Millionen Tonnen Plastikmüll von den Küsten in die Ozeane geschwemmt, so die Schätzung von Forscher im Jahr 2015. Längst findet sich der Müll selbst in der Tiefsee, auf abgelegenen Inseln oder in der Arktis. “Kunststoff ist heute so allgegenwärtig, dass man nirgendwo mehr hingehen kann, ohne auf Plastikmüll in unserer Umwelt zu stoßen”, sagt Koautorin Jenna Jambeck von der University of Georgia in Athens.
Gewaltige Mengen
Wie viel Kunststoff insgesamt weltweit im Umlauf ist und jemals produziert wurde, haben Jambeck und ihre Kollegen nun erstmals umfassend ermittelt. Dafür werteten sie Daten zur Produktion, der Nutzung und der Entsorgung von Polymergranulat und -fasern sowie von Plastikzusatzstoffen aus. Sie erfassen dabei Kunststoffe von Polyurethan, Polyethylen und Polyvinylchlorid bis zu PET, Polyamid oder Acryl. “Wir präsentieren damit die erste globale Analyse allen massenproduzierten Plastiks, das die Menschheit je hergestellt hat”, konstatieren die Forscher.
Die Bilanz ergab: Von den Anfängen der Massenproduktion in den 1950er Jahren bis heute hat die Menschheit rund 8,3 Milliarden Tonnen Rohkunststoff produziert. Die globale Jahresproduktion stieg von rund zwei Millionen Tonnen im Jahr 1950 bis auf 400 Millionen Tonnen im Jahr 2015, die Hälften allen Plastiks weltweit ist erst in den letzten 13 Jahren entstanden, wie die Forscher berichten. “Damit hat das Wachstum der Plastikproduktion in den letzten 65 Jahren die nahezu jedes anderen menschengemachten Materials überflügelt”, sagen Jambeck und ihre Kollegen. Ausnahmen sind nur Stahl und Zement, beides Materialien, die vor allem beim Bau verwendet werden. Doch während Stahl und Zement, einmal verbaut, lange in Gebrauch bleiben, sind Plastikprodukte extrem kurzlebig.
“Rund die Hälfte allen Stahls geht in die Konstruktion, er wird daher über Jahrzehnte genutzt”, erklärt Erstautor Roland Geyer von der University of California in Santa Barbara. Plastik jedoch ist wesentlich kurzlebiger – auch weil ein Großteil davon für Verpackungen verwendet wird.





