Der Skandal um die Abgase der Dieselautos nimmt kein Ende: Erst war es nur Volkswagen, dann kamen nach und nach Mauscheleien auch bei anderen Autobauern heraus. Wie schon seit längerem bekannt, sorgt in den Diesel-Autos eine Abschaltautomatik dafür, dass die Abgasreinigung auf dem Prüfstand hochgeregelt, auf der Straße und insbesondere bei Kälte aber gedrosselt oder sogar ganz abgeschaltet wird. Als Folge liegen die Messwerte für Feinstaub und Stickoxide in vielen deutschen Großstädten häufig über den zulässigen Grenzwerten.
Das Kartell
Als wäre dies nicht schon schlimm genug, folgte Ende Juli 2017 der nächste Akt im Dieseldrama: Das Magazin “Der Spiegel” enthüllte, dass fünf große deutsche Autohersteller – BMW, Mercedes, VW, Audi und Porsche und wahrscheinlich auch Bosch als Zulieferer von Bauteilen – systematische Absprachen getroffen haben. Sie einigten sich unter anderem darauf, den Tank mit dem für die Abgasreinigung nötigen Harnstoff, dem sogenannten AdBlue, aus Platz- und Geldgründen kleiner zu halten als eigentlich nötig.
Als Folge reicht der Harnstoff in den Dieselautos von vornherein nicht, um die Abgase ständig von Stickoxiden zu reinigen. Um dies zu kaschieren, ersannen die Hersteller die 2015 entlarvte Abschaltautomatik – und sprachen sich wahrscheinlich auch dabei untereinander ab. Mittlerweile laufen Ermittlungen gegen mehrere Manager der Konzerne wegen Betrugs und Verstoßes gegen Kartell- und Aktienrechte.
Was bringen Fahrverbote?
Der nächste Schlag für die Autolobby und gleichzeitig eine Ohrfeige für die Politik folgte vor wenigen Tagen: Das Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte gegen das Land Baden-Württemberg geklagt, weil gerade in Stuttgart die Grenzwerte besonders oft und drastisch überschritten werden. Die Umwelthilfe forderte die Einführung von umfassenden Fahrverboten im gesamten Stadtgebiet für Diesel-Fahrzeuge, die den Euro 6 Grenzwert auf der Straße überschreiten.
Schon länger fordern Mediziner und Umweltverbände Fahrverbote für Dieselautos, wenn Grenzwerte in den Stadtzentren nicht eingehalten werden. In anderen europäischen Ländern gibt es solche Maßnahmen bereits: In London, Oslo und im Schweizerischen Tessin gibt es bei erhöhten Stickoxidwerten kurzfristige Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Alle öffentlichen Verkehrsmittel können in diesen Zeiten kostenlos genutzt werden.





