Der Klimawandel wirkt sich stark auf die Ozeane aus. Die globale Erwärmung führt zu höheren Temperaturen und einer Versauerung an der Meeresoberfläche und in flacheren Gewässern, was erhebliche Auswirkungen auf die dort lebenden Organismen und Ökosysteme hat. Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Biodiversität der Tiefsee hat, ist hingegen kaum bekannt. Denn der Meeresboden selbst ist uns weitestgehend ein Rätsel. Studien zu seiner Topografie basieren bisher vor allem auf Berechnungen mithilfe von Satelliten, die aus der Ferne Kartierungsdaten von Tälern und Bergen am Meeresboden erheben. Viel mehr Informationen lassen sich aber aus direkten Beobachtungen und Vor-Ort-Bildern der Tiefsee und ihres Meeresbodens gewinnen, vor allem in flachen Abschnitten. Doch wie viele solcher Erkundungsdaten gibt es?

Nur wenige Flächen am Meeresgrund dokumentiert
Wie groß die bislang erkundete Fläche des Meeresbodens ist, haben nun Forschende um Katherine Bell von der Ocean Discovery League haben ermittelt. Dafür verglichen sie 43.681 Aufzeichnungen von Tauchexpeditionen aus 14 Ländern, die seit 1958 in 120 Wirtschaftszonen und auf hoher See unternommen wurden.
Die Auswertung ergab, dass die Daten der Expeditionen bislang maximal 0,001 Prozent des Meeresbodens in 200 Meter Tiefe oder tiefer abdecken. Die restlichen 99,999 Prozent des Tiefseebodens hat der Mensch demnach noch nie gesehen. Diese Schätzung berücksichtigt bereits, dass einige Tauchdaten nicht öffentlich und daher nicht in die Studie eingeflossen sind. Zum Vergleich: Hätten wir auch von Land nur 0,0001 Prozent der Fläche erkundet (1489 Quadratkilometer), wüssten wir über das Leben auf der Erde lediglich so viel wie über das Leben auf einem Gebiet circa so groß wie Texas. Die erforschte Fläche im Meer misst bisher mindestens 2130 und maximal 3823 Quadratkilometer – das entspricht etwa einem Zehntel von Belgien.
Zu den bereits besuchten Gebieten der Tiefsee zählen vor allem Gebiete im Umkreis von 200 Seemeilen um die Vereinigten Staaten, Japan und Neuseeland, darunter Monterey Bay und Hawaii sowie die Suruga- und Sagami-Bucht. In Meeresgebieten in anderen Teilen der Welt fanden bisher so gut wie keine Taucherkundungen statt. Besonders seit den 1980er Jahren konzentrierten sich die Tauchgänge überwiegend auf Wirtschaftszonen und flachere Küstengebiete statt der hohen See, wie das Team feststellte. In den 1960er Jahren fanden noch 51,2 Prozent aller Tauchaktivitäten auf der heutigen hohen See statt; in den 2010er Jahren sank dieser Anteil auf 14,9 Prozent. Durchgeführt wurden die allermeisten Expeditionen von Forschenden aus den drei genannten Ländern sowie aus Frankreich und Deutschland. Diese reichen Staaten dominieren demnach die kostspielige Tiefseeforschung. Hinzu kommt, dass fast 30 Prozent der Bilder vor 1980 aufgenommen wurden, in Schwarzweiß mit niedriger Auflösung.






