Der Klimawandel sorgt auf der Welt für steigende Temperaturen, ungleichmäßiger verteilte Niederschläge, häufigere Extremwetterereignisse, schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel. Unzählige Studien beschäftigen sich mit den verschiedenen Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen, teils auf lokaler und regionaler Ebene, teils global. Viele dieser Studien wertet der Weltklimarat IPCC für seine Berichte aus. Doch angesichts der unüberschaubaren Vielzahl wissenschaftlicher Evidenz ist es für menschliche Experten nahezu unmöglich, einen Überblick zu gewinnen.
Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft
Ein Team um Max Callaghan vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin hat nun mit Hilfe maschinellen Lernens über 100.000 Studien ausgewertet und eine Weltkarte erstellt, auf der die jeweilige Evidenz für ortsspezifische Auswirkungen des Klimawandels verzeichnet ist. „Wir kommen zu dem Schluss, dass die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels auf 80 Prozent der Landfläche der Erde zu finden sind, wo 85 Prozent der Bevölkerung leben“, schreiben die Forscher.
„Diese Auswirkungen zeigen sich in einer Reihe verschiedener Systeme und auf verschiedenen Ebenen, die ein breites Spektrum von Forschungsbereichen abdecken, von der Glaziologie bis zur Agrarwissenschaft und von der Meeresbiologie bis zur Migrations- und Konfliktforschung.“ Bisherige Überblicksstudien fokussierten sich üblicherweise auf eine eingegrenzte Fragestellung und konnten auch zu dieser nur eine begrenzte Anzahl an Studien einbeziehen. Der Ansatz von Callaghan und seinen Kollegen ermöglichte dagegen, einen sehr weitreichenden Überblick über die bisher vorliegenden Studien.
Künstliche Intelligenz hilft bei der Auswertung
Dazu nutzten die Forscher eine künstliche Intelligenz, die in der Lage ist, natürliche Sprache auszuwerten. „Diese Software entwickelten wir so weiter, dass sie Studien über beobachtete Klimaauswirkungen identifizieren, lokalisieren und klassifizieren kann – und zwar in einem Maßstab, der weit über das hinausgeht, was manuell möglich ist“, erklären Callaghan und seine Kollegen. Mit dieser Technik fanden sie über 102.000 Veröffentlichungen, die für das Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels relevant sind.
Die künstliche Intelligenz erfasste unter anderem, auf welche Region sich die jeweiligen Ergebnisse der Studien bezogen. Dies glichen die Forscher mit weiteren Daten zu Temperatur- und Niederschlagstrends ab, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliche Aktivitäten zurückführen lassen. Auf diese Weise erstellten sie eine Weltkarte, die zeigt, für welche Regionen die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels bereits gut belegt sind. Das Ergebnis: „Der größte Teil der Weltbevölkerung lebt in Gebieten, in denen Temperatur- und/oder Niederschlagstrends zumindest teilweise auf den Einfluss des Menschen zurückgeführt werden können“, so die Autoren.





