Vor einer Krebsoperation muss sich der Chirurg anhand von computertomographischen (CT-) Aufnahmen über Position und Ausdehnung des Tumors informieren. Dabei entsteht im Kopf des Arztes gewissermaßen ein dreidimensionales Bild des Geschwulstes. Jetzt haben britische Wissenschaftler ein Computerprogramm entwickelt, das diese Aufgabe übernimmt: Aus CT-Aufnahmen kann so das 3D-Bild eines Körperorgans dargestellt und im Operationssaal auf einen Monitor projiziert werden. Die neue Technik wurde vergangene Woche auf einer Tagung über 3D-Visualisierung in Glasgow vorgestellt, wie das Internetportal Nature Science Update berichtet.
Der Leberkrebs-Chirurg Rory McCloy vom Manchester Royal Infirmary vergleicht seine Arbeit mit dem Herausschneiden eines Eies, das in einer großen Fleischpastete eingebettet ist. Er muss den Tumor vollständig entfernen, ohne gesundes Gewebe zu verletzen. Zusammen mit dem Computerwissenschaftler Nigel John und dessen Team von der University of Manchester ist es ihm gelungen, eine Technik zu entwickeln, die es erlaubt, aus einzelnen CT-Scans ein dreidimensionales Bild einer Leber zu erzeugen. Die virtuelle Leber lässt sich beliebig drehen, so dass die genaue Position des Tumors erkennbar wird. Noch in diesem Jahr soll das neue bildgebende Verfahren bei einer Operation zum Einsatz kommen.
Ein PC kann die 18 Megabytes an Daten, die durch die verschiedenen CT-Schichtaufnahmen geliefert werden, nicht mehr bearbeiten. Daher werden sie zunächst an den Großrechner der Universität übermittelt. Daraus konstruiert dann eine spezielle Grafiksoftware das dreidimensionale Bild. Der Chirurg benötigt im OP einen Laptop und einen Projektor. Die Bedienung des Computers erfolgt über eine Art Joystick, verpackt in einer sterilen Hülle.
Das System soll weiterentwickelt werden, so dass während der Operation ständig neue Aufnahmen gemacht und zu einem Bild verarbeitet werden. Die Verzögerung in der Bilddarstellung würde dabei nur einige Sekunden betragen.
Joachim Czichos





