Die ersten Mieter waren ein Pärchen. Nett, aber keine Carsharer aus Idealismus: Sie wollten mit dem Auto Gebrauchtwagen angucken und sich selbst eines zulegen. Ein Dutzend Male hat Kimmig den Silberpfeil seitdem verliehen. Viele Interessenten kommen aus der Nachbarschaft, der Reiz ist der kurze Weg, aber vielleicht auch die emotionale Nähe zu Menschen aus dem gleichen Viertel. „Da ist jedes Alter dabei, Männer und Frauen.“
Beim Carsharing erlebt der Silberpfeil die Welt ohne ihn: Einmal lieh ein junges Model das Auto, um zwei Tage lang Agenturen in Mailand abzuklappern. „Irgendwie kurios. Aber für 200 Euro.“ Außertariflich verhandelt. Am frühen Morgen hat sie ihm das Auto vor die Tür gestellt, den Schlüssel vor dem Haus versteckt.
Nur einen 18-Jährigen hat er wieder heim geschickt. „Auf der Straße lag Eis und er kam mir nicht sehr zuverlässig vor.“ Vor jedem Leihgeschäft werden Papiere abgeglichen und ein Protokoll ausgefüllt. Aber beide müssen einverstanden sein. „Ich entscheide nicht nach Sympathie“, sagt Kimmig. „Sondern nach Menschenverstand.“
Ein bisschen enttäuscht ist er von der Werbung des Portals. „Es wird gelockt, man lerne die Leute kennen, aber man sieht sich viel zu kurz. Eine Mitfahrgelegenheit bringt mehr.“ Wenn Kimmig eine längere Strecke vor sich hat, lädt er das Auto nämlich mit zahlenden Gästen voll – und taucht für eine Fahrt in fremde Leben ein.
Der Text ist im Juli 2012 in unserem Magazin erschienen.
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Foto: Alessandra Schellnegger





