Der Klimawandel ist längst Realität – auch bei uns in Deutschland. Jüngsten Messungen zufolge hat sich unsere Region seit präindustriellen Zeiten um rund 1,6 Grad erwärmt. Damit ist der Klimawandel bei uns ausgeprägter als im weltweiten Durchschnitt von rund 1,1 Grad im gleichen Zeitraum. Neben diesem schleichenden Effekt der Klimaerwärmung registrieren Klimaforscher aber auch eine messbare Zunahme der Wetterextreme in Mitteleuropa: Starkregen, Stürme, Hitzewellen und Dürreperioden werden häufiger und intensiver. Als Folge hat es in den vergangenen Jahren mehrfach Rekorde bei kurzen, aber starken Niederschlägen, den Maximaltemperaturen an Hitzetagen und bei der Trockenheit gegeben.

Nur 2018 war noch wärmer
Jetzt hat der Deutsche Wetterdienst (DWDF) die aktuellen Messdaten des Jahres 2020 ausgewertet – mit wenig erfreulichem Ergebnis. Denn auch im letzten Jahr war es wieder deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4 Grad lagen die Werte um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Damit ist das Jahr 2020 das zweitwärmste Jahr seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nur 2018 war noch um 0,1 Grad wärmer, wie der DWD berichtet. Am höchsten lag der Jahresmittelwert im Saarland mit 11,4 Grad, am kühlsten war es mit 9,5 Grad in Bayern.
“Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend”, sagt DWD-Klimavorstand Tobias Fuchs. “Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln.” Den Auswertungen zufolge liegen neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im 21. Jahrhundert. Die letzte Dekade ab 2011 ist zudem die wärmste je in Deutschland gemessene – sie umfasst nun vier der wärmsten Jahre: 2020, 2018, 2019 und 2014. Insgesamt fielen im Jahr 2020 alle Monate bis auf den Mai zu warm aus. Januar, Februar, April und August zeigten mit über drei Grad Abweichung die höchsten positiven Temperaturanomalien, so der DWD. Besonders warm war es im Hochsommer: Zwischen dem 5. und 22. August etablierte sich über Deutschland eine teils sehr heiße und feuchte Witterung. Dabei kletterten die Höchstwerte auf über 35 Grad.
Zu wenig Regen und zu viel Sonne
Aber auch bei den Niederschlägen setzt 2020 den unguten Trend fort: Mit rund 710 Litern Regen pro Quadratmeter erreichte das Jahr bei den Niederschlägen nur gut 90 Prozent seines Sollwerts. Damit waren von den letzten zehn Jahren neun zu trocken, nur 2017 war feuchter als normal. Am trockensten blieb es mit unter 500 Liter pro Quadratmeter in vielen Teilen Nordostdeutschlands. Wenn es 2020 regnete, geschah dies zudem oft in Form von Starkregenfällen: Am 3. August meldete Aschau-Innerkoy, südöstlich von Rosenheim, mit 154,4 Liter pro Quadratmeter die größte Tagessumme. Die höchsten Jahresmengen gingen mit bis zu 2000 Liter pro Quadratmeter im Schwarzwald und an den Alpen nieder. Schneefälle waren dagegen eher selten und kamen meist nur in höheren Lagen vor.





