15 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl haben Krebsforscher die bisherigen Auswirkungen auf die Menschen in unmittelbarer Umgebung des Kernkraftwerkes ausgewertet. Fast zweitausend Fälle von Schilddrüsenkrebs werden mit dem Nuklearunfall in Verbindung gebracht ? und die Anzahl der Patienten nimmt weiter zu.
Vier Jahre nach der Explosion des Reaktors Nummer 4 sei erstmals ein Anstieg der Schilddrüsenkrebs-Fälle unter Kindern registriert worden, berichtete Professor Dillwyn Williams von der Cambridge University bei der European Cancer Conference (ECCO) in Lissabon. Seitdem werden bei Personen, die damals im Kindesalter waren, stetig mehr Erkrankungen gezählt.
Ursache sind die während des Unfalls freigesetzten radioaktiven Jod-Isotope. Das Spurenelement Jod wird von der Schilddrüse besonders gut aufgenommen, da es essenziell für die Produktion von Schilddrüsenhormonen ist. Die der Radioaktivität ausgesetzten Kinder sind offenbar anfälliger für Schilddrüsenkrebs als die Erwachsenen.
Wahrscheinlich werden die Betroffenen ihr ganzes Leben ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs haben, meint Elaine Ron vom US National Cancer Institute in Bethesda, Maryland. “Wir haben aber Hinweise darauf, dass das höchste Risiko 15 bis 19 Jahre nach der Exposition besteht”, so Ron. Menschen, die an den Aufräumarbeiten beteiligt waren, haben außerdem ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko.
Die Vereinten Nationen haben den 15. Jahrestag der Reaktorkatastrophe zum Anlass genommen, um dringend um weitere Hilfe für die Menschen zu bitten. Insgesamt seien fünf Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion von Gesundheitsschäden in Folge des Unfalls betroffen.
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Dr. Thomas Meißner





