Marcin Baranski von der Newcastle University und seine Kollegen haben nun, fünf Jahre nach der FSA-Studie, erneut eine Metastudie zur Biokost durchgeführt. Diesmal jedoch standen ihnen 343 Publikationen aus Fachjournalen mit Peer-Review –Gutachtersystem – zur Verfügung. “Die weitaus größere Datenbasis ermöglicht es uns, besser geeignete statistische Methoden einzusetzen und so definitivere Schlüsse zu den Unterschieden zwischen biologisch und konventionell angebauten Feldfrüchten zu ziehen”, sagt Studienleiter Carlo Leifert von der Newcastle University. Es sei die bisher größte Studie dieser Art zu diesem Thema.
Für ihre Metastudie konzentrierten sich die Forscher auf den Vergleich von Inhaltsstoffen mit gesundheitlicher Bedeutung: darunter sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Antioxidantien und Vitamine, chemische Pestizide, Nitrit und Nitrat, giftige Schwermetalle wie Kadmiun, Arsen und Blei sowie Nährstoffe und Spurenelemente. Sie berücksichtigten sowohl Studien, die beide Anbaumethoden verglichen, als auch Feldversuche und Tests, bei denen Lebensmittel aus beiden Anbauformen überprüft wurden. Die Forscher unterzogen alle Daten acht verschiedenen statistischen Analysen, um die Ergebnisse möglichst umfassend und frei von Verzerrungen analysieren zu können.
Mehr Antioxidantien, weniger Schwermetall
Das Ergebnis war eindeutig: “Es gibt keine Zweifel an den Unterschieden in der Zusammensetzung von ökologisch und konventionell angebauten Feldfrüchten”, konstatiert Leifert. So enthielten die Biogemüse zwischen 18 und 69 Prozent mehr Polyphenole und andere als Antioxidantien wirkende Pflanzeninhaltsstoffe. Antioxidantien gelten als potenziell vorbeugend gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Krebs und einige neurodegenerative Krankheiten. Die Biofeldfrüchte enthielten zudem mehr Carotinoide und mehr Vitamin C. Nach Ansicht der Forscher lässt sich der höhere Wert vor allem der Antioxidantien in den Biofeldfrüchten biologisch gut erklären: Pflanzen bilden diese sekundären Inhaltstaffe meist als Reaktion auf Stress durch Schädlinge, Wassermangel oder andere negative Einflüsse. Die höheren Konzentrationen dieser Stoffe in den Biopflanzen könnten daher darauf beruhen, dass im Bioanbau weniger rigoros gegen Schädlingen und Krankheiten vorgegangen wird und weniger stark gedüngt wird, mutmaßen die Wissenschaftler.
Ebenfalls deutlich fielen die Unterschiede bei schädlichen Substanzen wie Schwermetallen und Pestizidrückständen aus, wie die Forscher berichten: Die Bio-Feldfrüchte enthielten im Durchschnitt 48 Prozent weniger von dem Schwermetall Cadmium, das sich in den Organen anreichern kann und zur chronischen Vergiftung führt. Bei Blei und Arsen konnten die Wissenschaftler allerdings keine Unterschiede feststellen. Nicht ganz unerwartet enthielten konventionell angebaute Feldfrüchte zudem rund vier Mal mehr Pestizid-Rückstände als das Biogegenstück. Bei Früchten waren die Unterschiede dabei am größten, bei Gemüsen etwas geringer. Außerdem ergaben die Analysen um 30 Prozent höhere Nitratwerte und um 87 Prozent höherer Nitritwerte bei konventionellen Feldfrüchten. “Höhere Nitritwerte in Lebensmitteln gelten aber als unerwünscht”, erklären die Forscher. Denn im Körper kann diese Stickstoffverbindung zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden.





