Die in Algerien heimische Zypresse Cupressus dupreziana kann sich ungeschlechtlich fortpflanzen – ihr Nachwuchs entwickelt sich allein aus ihrem männlichen Pollen. Dafür nutzt sie die Hilfe einer anderen Zypressenart, in deren Nährgewebe ihr Pollen wächst.
Ein französisch-italienisches Wissenschaftlerteam untersuchte die Fortpflanzung der vom Aussterben bedrohten Zypressenart Cupressus dupreziana. Von dieser Art gibt es in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, einem Hochplateau in Algerien, nur noch 231 Bäume. Daher sind die Wissenschaftler sehr an der Fortpflanzung dieser Bäume interessiert.
Dazu übertrugen die Wissenschaftler männlichen Pollen der algerischen Zypressen auf Bäume einer anderen, verwandten Zypressenart. Da sich Zypressen normalerweise geschlechtlich fortpflanzen, also der männliche Pollen des einen Baumes eine Eizelle des anderen Baumes befruchtet, erwarteten sie, Nachkommen mit einem gemischten Erbgut zu bekommen. Zu ihrem Erstaunen stellten sie aber bei der Untersuchung des Erbguts der Nachkommen fest, dass deren Erbgut mit dem der algerischen Zypressen identisch war.
Die Nachkommen entwickelten sich also direkt aus dem männlichen Pollen der algerischen Zypresse im Zapfen einer anderen Zypressenart. Die Wissenschaftler vermuten, dass Cupressus dupreziana sich eine Leihmutter für ihre Nachkommen sucht, da es nur noch so wenige Bäume ihrer eigenen Art gibt. Diese Art der Fortpflanzung war bei den Nacktsamern (Gymnospermen), zu denen die Nadelbäume gehören, bisher unbekannt. Die Studie erschien in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftjournals Nature.
Ralf Möller





