Es gibt kein Kino, keine Restaurants und Clubs, kein Nahverkehrssystem in Ostgrönland. Dafür isst man Robbenfleisch, wartet auf das Eis und in den Schulbüchern lernen die Kinder mit Schrotpatronen zu rechnen … Grönland ist die größte Insel der Welt. Ein Wunder der Natur mit gewaltigen Gletschern, tiefen Fjorden und Tieren, die jedes Kind kennt. Und doch ist Grönland fremd. Denn das Land ist abgeschieden und seine Bewohner und ihr Alltag unfassbar; Dunkelheit, Kälte und vor allem: das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Die Autorin hat die Reise zu den Menschen auf sich genommen. Nicht als Touristin, Wissenschaftlerin oder gar Lobbyistin für irgendeine Sache. Sie begegnet den Grönländern auf Augenhöhe, lebt unter ihnen und hört, was sie zu erzählen haben. Da ist der Jäger Emanuel, der im Sommer Narwale jagt, die junge Majken, die erzählt, warum sich so viele Jugendliche hier umbringen. Da ist Gerda, die früher Gerd hieß, auf Wetterstationen gearbeitet hat und jetzt einen Buchladen in Tasiilaq betreibt. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop an Geschichten. Menschen bekommen eine Stimme, die zwischen den Welten leben, zwischen einer Kultur im Rhythmus der Natur und der Moderne. Komplett ist das Buch durch zahlreiche landeskundliche Informationen und beeindruckende Ansichten. Gehört ins Gepäck eines jeden, der einmal in den hohen Norden reisen möchte.
Birgit Lutz
Heute gehen wir Wale fangen
btb Verlag, 448 Seiten, 25 €





