Sie sind die größten im Reich der Pinguine: Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) erreichen stattliche Körpermaße von 100 bis 130 Zentimetern und sind in den kalten Gewässern der antarktischen Zone zuhause. Spätestens seit dem mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm “Die Reise der Pinguine” haben die Riesen im Frack weltweite Bekanntheit erlangt und die Herzen vieler Menschen erobert. Doch wie viele ihrer Verwandten auch geraten die Kaiserpinguine zunehmend in Bedrängnis. Schon seit einigen Jahren warnen Forscher, dass der Rückgang des Meereises durch den Klimawandel den Tieren ihre Brutplätze und Nahrungsgrundlage nehmen könnte. Denn diese Pinguinart ist für die Aufzucht ihres Nachwuchses auf lange haltende, intakte Meereisflächen angewiesen.
Beispielloser Zusammenbruch
Wie es den Pinguinen geht, haben Peter Fretwell und Philip Trathan vom Britisch Antarctic Survey in Cambridge nun am Beispiel einer Kolonie in der Halley Bay genauer untersucht. Die Brutstätte im antarktischen Weddell-Meer war bisher die zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie der Welt. Jedes Jahr versammelten sich zwischen 14.000 und 25.000 Brutpaare dort – das sind rund fünf bis neun Prozent der globalen Population. Für ihre Studie beobachteten die Wissenschaftler mithilfe von hochaufgelösten Satellitenaufnahmen, wie sich diese Kolonie in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. “Unsere spezielle Satellitenanalyse kann Individuen und Pinguingruppen sichtbar machen. Anhand der Dichte der Gruppen lässt sich die Größe der gesamten Population gut abschätzen”, erklärt Fretwell.
Die Aufnahmen offenbarten, dass es seit 2009 immer wieder zu jährlichen Schwankungen der Pinguinzahlen kam. Besonders alarmierend aber waren die Daten aus 2016, 2017 und 2018: In diesen drei aufeinanderfolgenden Jahren brach die Population dramatisch ein und der Bruterfolg blieb aus. Fast keines der Küken habe in dieser Zeit überlebt, berichtet das Forscherteam. “Die Bilder zeigen ein katastrophales Aufzuchtversagen”, sagt Fretwell. “So ein umfassender und anhaltender Brutmisserfolg ist beispiellos für diese Kolonie”, ergänzt Trathan. Wie lässt sich diese dramatische Entwicklung erklären?
Zuflucht in anderer Kolonie
Die Wissenschaftler bringen das Phänomen mit lokalen Veränderungen des Meereises in Zusammenhang. Wie sie betonen, sind brütende Kaiserpinguine auf eine stabile Eisbedeckung angewiesen. Diese muss von der Ankunft der Vögel im April bis zum Flüggewerden ihrer Küken im Dezember verfügbar sein. Doch genau diese Voraussetzung war im Jahr 2016 zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Extrem stürmisches Wetter durch einen starken El Nino und eine insgesamt dünne Eisschicht führten damals dazu, dass das Meereis bereits im Oktober aufbrach – viel zu früh für den Pinguinnachwuchs. Dieses Muster wiederholte sich in den darauffolgenden zwei Jahren und brachte fast allen Küken den Tod.





