Wie geht es unseren Wäldern? In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise darauf, dass vor allem der Klimawandel vielen Bäumen in Deutschland deutlich zusetzt. Vor allem die besonders trockenen und warmen Jahre 2018 bis 2020 ließen vielerorts ganze Waldgebiete vertrocknen und Waldbrände häuften sich. Dazu kam, dass die milden Winter und der geschwächte Zustand der Bäume es Schädlingen wie dem Borkenkäfer leicht machten, sich massenhaft zu vermehren.
In welchem Zustand der Wald in Deutschland ist, wird seit den 1980er Jahren regelmäßig vom Waldzustandsbericht der Bundesregierung untersucht. Dafür werden jeweils im Juli und August Waldstücke in ganz Deutschland abgegangen, alle Bäume vermessen und ihr Belaubungszustand ermittelt. Die Kronenverlichtung gibt die Abweichung der begutachteten Bäume von einem voll benadelten oder voll belaubten gesunden Baum an und gilt als Indikator für die Gesundheit eines Baumes. Wie stark das Verlichten der Kronen fortgeschritten ist, schätzen die Inventurteams in Fünf-Prozent-Stufen.
Wenig Besserung, Rekordverlichtung bei Nadelbäumen
Für das Jahr 2021 hat nun das Thünen-Institut für Waldökosysteme die Daten der Waldzustandserhebung ausgewertet und veröffentlicht. Nach diesen ist der Anteil von Bäumen mit deutlicher Kronenverlichtung zwar immer noch hoch, aber im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent zurückgegangen. 2021 zeigten demnach noch 35 Prozent der Bäume einen Rückgang der Belaubung um 25 Prozent oder mehr. Für die über 60 Jahre alten Bäume, bei denen Schäden besonders deutlich werden, beobachteten die Begutachter ebenfalls eine leichte Verbesserung. Im Vergleich zum Vorjahr mit 45 Prozent waren im Jahr 2021 nur noch 42 Prozent von einer deutlich zu geringen Belaubung der Kronen betroffen.
Bei den Laubbäumen ist seit 2019 vor allem die Buche stark betroffen, wie das Thünen-Institut mittteilt. Bei den Nadelbäumen hat sich vor allem der Zustand der Fichten im Jahr 2021 noch einmal verschlechtert. Sie erreichte 2021 ein Maximum der Kronenverlichtung von 29,8 Prozent und somit den höchsten Wert seit Beginn des Monitorings 1984. Aber auch die Kiefer legte deutlich zu und erreichte mit 22,9 Prozent einen ebenfalls einen Rekordwert.
Dürre der letzten Jahre wirkt nach
Nach Ansicht der Forstexperten belegen diese Ergebnisse, dass sich die Wälder noch immer nicht vollständig von den Trockenjahren 2018 bis 2020 erholt haben. Obwohl es im Jahr 2021 reichlich regnete und die Bäume von Dürre und starken Stürmen weitgehend verschont geblieben sind, ist der Zustand der deutschen Wälder noch immer eher schlecht. “Der Wald vergisst nicht so einfach und schon gar nicht schnell. Die Schäden durch Dürre und Borkenkäfer werden noch lange spürbar und sichtbar sein. An den Waldschäden wird uns vor Augen geführt, was die Klimakrise für uns bedeutet”, kommentiert Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.





