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Warum Geier inzwischen häufiger nach Deutschland kommen
Biologie

Warum Geier inzwischen häufiger nach Deutschland kommen

Gänsegeier sind bei uns nicht heimisch. Dennoch sind sie manchmal auch in Deutschland zu sehen. · Foto: © Daniel Jara/ iStock

Eigentlich sind Geier in südlichen Gefilden beheimatet, aber immer häufiger kann man die großen Aasfresser auch in Deutschland beobachten. So plünderte ein Geier im Juni 2026 Storchennester in Niedersachsen und sorgte damit für Schlagzeilen. Doch was steckt dahinter? Woher kommen diese Geier und warum kommen diese Vögel immer häufiger zu uns?
Autor
Paula Meister
12. August 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Der Anblick ist majestätisch: Geier, die scheinbar mühelos und schwerelos über den Himmel kreisen. Immer häufiger kann man die Tiere auch in Deutschland beobachten. Die Sichtungen sorgen mitunter aber auch für Verunsicherung - besonders dann, wenn Geier Nester plündern, wie kürzlich bei einem Storchennest in Niedersachsen. Aber warum sieht man die Vögel jetzt auch bei uns und gibt es Grund zur Sorge?

Antworten darauf hat Manuela Merling de Chapa, Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wenn ein Geier am Himmel kreist, wirkt das für viele Menschen erst einmal ungewohnt und manchmal auch bedrohlich. Dabei sind die Tiere hier nur auf Durchreise – sie erkunden weiträumig neue Gebiete auf der Suche nach Nahrung, bleiben aber nicht dauerhaft in Deutschland“, sagt Merling de Chapa.

Geier sind bei uns auf Erkundungstour unterwegs

Vor allem junge Gänsegeier aus Südeuropa sind derzeit auch bei uns auf Erkundungstouren unterwegs. Als wärmeliebende Segelflieger nutzen sie warme Aufwinde, um mühelos weite Strecken zurückzulegen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern können die Vögel bei günstigen Winden an einem einzigen Tag mehrere hundert Kilometer fast ohne Flügelschlag fliegen. Steigende Temperaturen durch den Klimawandel und häufigere warme Aufwinde begünstigen die Erkundungsflüge dieser Vögel bis nach Mitteleuropa hinein.

Dass Geier hierzulande wieder häufiger zu beobachten sind, ist jedoch vor allem ein Erfolg des Natur- und Artenschutzes. Wiederansiedlungsprojekte und Lebensraumschutz haben die europäischen Bestände in den vergangenen Jahren wachsen lassen. „Jede Geiersichtung ist eine gute Nachricht“, sagt Merling de Chapa. „Sie zeigt, dass Artenschutz wirkt – und beschert uns ein faszinierendes Naturschauspiel. Geier sind keine Bedrohung, sondern eindrucksvolle Botschafter erfolgreicher europäischer Naturschutzarbeit.“

Warum Geier nützlich sind

Geier übernehmen eine ökologisch wichtige Aufgabe: Als „Müllabfuhr“ der Natur beseitigen sie Kadaver schnell und verhindern so die Ausbreitung von Krankheiten. „Als Aasfresser sind sie darauf spezialisiert, Kadaver zu finden und zu verwerten. So verfügen sie über ein hervorragendes Sehvermögen zum Auffinden toter Tiere aus großer Höhe. Ihr kräftiger Schnabel ist darauf ausgelegt, tote Tiere zu öffnen. Und an ihrem nur spärlich befiederten Kopf bleiben Blut und Gewebereste nicht hängen, Keime und Bakterien setzen sich weniger fest“, sagt Merling de Chapa.

Die vier europäischen Geierarten – Gänsegeier, Mönchsgeier, Bartgeier und Schmutzgeier – haben sich dabei im Laufe der Evolution auf unterschiedliche Teile eines Kadavers spezialisiert und machen sich kaum Konkurrenz. Gänsegeier fressen beispielsweise vorwiegend weiche Gewebeteile wie Muskelfleisch und Innereien. Mönchsgeier können mit ihrem gebogenen Schnabel selbst dicke Haut öffnen und fressen Sehnen und Knorpel. Der Bartgeier wiederum ist sogar in der Lage, Knochen zu verdauen. Der Schmutzgeier, die kleinste europäische Geierart, frisst Insekten und kleinere Aasreste.

Keine Gefahr für heimische Tiere und Menschen

Für heimische Wild- und Nutztiere oder gar den Menschen besteht kein Anlass zur Sorge: „Geier sind keine aktiven Jäger. Ihre Krallen sind stumpf und zum Erlegen von Beute denkbar ungeeignet“, erklärt die Expertin. „Nur in extremen Ausnahmefällen, etwa bei großer Nahrungsknappheit, können Geier auch stark geschwächte Tiere oder Jungtiere in ungeschützten Nestern angreifen – so wie es in Niedersachsen bei den Weißstörchen der Fall war.“ Dauerhaft bei uns bleiben werden die Geier ohnehin nicht. Die Tiere finden in Deutschland kaum ausreichende Mengen an Aas, da tote Tiere aus Gründen des Tierseuchen- und Hygieneschutzes schnell entsorgt werden. Damit fehlt den Geiern bei uns ihre Nahrungs- und Lebensgrundlage.

Quelle: Deutsche Wildtierstiftung

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