Text: Katja Maria Engel
Auf einem Gelände am Stadtrand von Münster türmen sich hohe Stapel ehemals hochwertiger Solarmodule, die verbogen und teilweise gebrochen auf ihre Demontage warten. Bereits zerlegte Solarfolien in überdachten Lagerkisten sehen aus wie graue, zerfetzte Filzlappen; an anderer Stelle ragen Berge aus grauem Glasgries empor. Tom Reiling, Geschäftsführer von Reiling PV-Recycling, ist einer der Ersten in Deutschland, der ausgemusterte Photovoltaik-Module für die Wiederverwertung fit macht. 2023 hat sein Unternehmen rund 8.000 Tonnen davon recycelt, eine Genehmigung hat er für bis zu 50.000 Tonnen.
Ab 2029 – also 20 Jahre nach Beginn der ersten großen Ausbauphase der Photovoltaik (PV) – werden die ersten großen Entsorgungswellen auf uns zurollen, prophezeit Peter Dold, Forscher und Co-Institutsleiter an der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie in Hanau (IWKS). Die Experten dort schätzen, dass in Deutschland dann jährlich zwischen 400.000 und einer Million Tonnen Altmodule entsorgt werden müssen.
Weltweit werden die Mengen an ausgemusterten PV-Anlagen ähnlich rasant steigen. Den größten Berg an Altmodulen sieht die Beratungsfirma Rystad Energy in China heranwachsen, gefolgt von den USA, Japan und Indien. Deutschland steht in diesem Ranking auf Platz fünf. Laut der internationalen Energieagentur (IEA) fallen ab 2050 weltweit schätzungsweise bis zu 80 Millionen Tonnen an Altmodulen pro Jahr an. „Schätzungsweise“ heißt es meist, weil die Zahlen stark schwanken.
Solarmodule altern nicht nur, auch Naturkatastrophen wie Taifune, Erdbeben und Überschwemmungen können schlagartig zu großen Verlusten führen. Und es können auch Solarmodule lange vor dem Ende ihrer üblichen Nutzungsdauer von 20 bis 30 Jahren ausgemustert werden, zum Beispiel weil neue Solarzellen mehr Energieleistung versprechen. Statt ins Recycling könnten solche noch funktionsfähige Module auch in die Zweitverwertung gehen. Tom Reiling prüft diese Möglichkeit ebenfalls, doch da die Preise für neue Module über die letzten Jahre stark gesunken sind, findet er kaum Abnehmer für die Secondhandware. Sie nach Afrika zu exportieren, findet der Unternehmer zwiespältig, irgendwann müssen sie auch dort entsorgt werden, und das dann vermutlich ohne richtiges Entsorgungskonzept.
Die gesetzlichen Vorgaben verlangen wenig
In Deutschland gelten Solarmodule wie in den anderen europäischen Ländern als Elektrogeräte, die nach der Richtlinie WEEE (Waste of Electrical and Electronic Equipment) behandelt werden müssen. Bislang sind deren Anforderungen recht einfach zu erfüllen: demontieren, Kabel entfernen, die Aluminium-Rahmen abreißen, das Glas aussortieren – fertig. Kabel und Rahmen kommen ins Metallrecycling. Das Glas aus der Abdeckung ist gerade noch gut genug für die Herstellung von Glaswolle.





