Vor rund einem Jahr begann sich das Drama immer mehr zu entfalten: In der chinesischen Stadt Wuhan breitete sich eine neue Lungenerkrankung aus – anschließend entwickelte sich daraus eine weltweite Pandemie, die uns bekanntlich noch immer schwer zu schaffen macht. Experten zufolge könnten allerdings noch deutlich schlimmere Viren als Sars-CoV-2 auf uns zukommen, denn das Potenzial für die Neuentwicklung von Erregern dieser Art bleibt erhalten. Inzwischen gilt es als gesichert, dass das Sars-CoV-2-Virus ursprünglich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen ist. Man geht davon aus, dass es sich bei über 60 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten um solche sogenannte Zoonosen handelt. Deshalb ist ein Blick auf die Wurzeln dieser Erkrankungen so wichtig.
Übertragungsherde im Visier
Sie entstehen dort, wo Mensch und Tier in engen Kontakt miteinander kommen. Dabei geht von Nutztieren ein Risiko aus, aber auch von Wildtieren, wenn sie etwa auf Märkten gehandelt werden. Schon lange galten China und einige Länder Südostasiens in diesem Zusammenhang als Hotspots bei der Gefahr der Entwicklung von Zoonosen. Anlässlich des Beginns der Ausbreitung von Sars-CoV-2 vor etwa einem Jahr hat sich der WWF deshalb nun erneut mit dem Wildtierhandel in Südostasien beschäftigt. Der Fokus lag dabei auf der Mekong-Region, die verschiedene Staaten umfasst.
Die Analyse verdeutlicht vor allem: Es gibt in der Region Hunderte von Märkten in Großstädten, die sich in Bereichen mit besonders hohem Zoonose-Risiko befinden. Dort werden lebende Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet – zu Nahrungszwecken oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin. “Große Märkte mit niedrigen Hygienestandards, auf denen Wildfleisch verkauft wird, sind besonders riskant für die Übertragung von Zoonosen”, sagt Stefan Ziegler vom WWF Deutschland. Ein Problem ist auch, dass vor allem in den ländlichen Gegenden viele Menschen noch immer für ihre Nahrungsversorgung auf Wildtiere angewiesen sind. Sie werden jedoch auch zunehmend für den Verkauf auf den städtischen Märkten gejagt, um eine Einnahmequelle zu schaffen. Unter den vielen verschiedenen Wildtierarten, die gehandelt werden, sind dabei häufig auch Nagetiere und Fledermäuse, die als Quellen für besonders gefährliche Erreger gelten.
Artenschutz als Gesundheitsvorsorge
Um dem Problem entgegenzutreten, sollten der Arten- beziehungsweise Naturschutz mit der öffentlichen Gesundheitsvorsorge Hand in Hand gehen, schreibt der WWF: Die Unterbindung des illegalen und unregulierten Wildartenhandels ist dabei ebenso wichtig wie die Durchsetzung von Hygiene- und Sicherheitspraktiken auf den Wildtiermärkten und in Restaurants. Auch Verbraucheraufklärung könnte wichtige Beiträge leisten, betont die Naturschutzorganisation.





