Mehr als 70 Millionen Menschen leben in Zentralasien – einem weiten, größtenteils von Steppe geprägten Gebiet im Herzen Eurasiens. Früher war diese Region die Heimat von umherziehenden Nomadenvölkern, heute ist sie unter den Ländern Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan sowie China aufgeteilt. Doch noch immer dominieren Steppe und gemäßigt-kühle Wüsten 60 Prozent dieser Region. Das macht das ohnehin trockene Zentralasien besonders anfällig für Schwankungen des Niederschlags oder Dürreperioden. “Schon kleine Abweichungen von den mittleren oder erwarteten Regenfällen während der Wachstumszeit können für die Landwirtschaft und soziale Stabilität dieser Region verheerend sein”, erklärt Erstautor Qi Hu von der University of Nebraska-Lincoln. “Dieser Ort ist damit sehr anfällig für den Klimawandel.”
Steppen und Wüsten 100 Kilometer nach Norden verlagert
Um festzustellen, ob und wie sich das Klima in Zentralasien bereits verändert hat, haben Hu und sein Team Wetterdaten aus der Zeit ab 1960 zu Temperaturen und Niederschlägen in Zentralasien ausgewertet. Ihr Fokus lag dabei auf der Lage und Ausdehnung der Klimazonen, wie sie im System nach Köppen und Geiger definiert sind. “Weil sich die Niederschläge in der warmen Saison in den 1980er Jahren erheblich verändert haben, teilen wir die Daten-Zeitreihe in zwei Bereiche und konzentrieren uns auf die Unterschiede zwischen der Zeit von 1960 bis 1980 und von 1990 bis 2020”, erklären die Wissenschaftler. Die Vergleiche bestätigten zunächst, dass sich die Jahresmitteltemperaturen in allen elf in Zentralasien vorkommenden Klimatypen erhöht haben – im Schnitt um 0,6 bis 1,7 Grad. Parallel dazu nahmen die Niederschläge in den meisten Regionen ab.
“Die prominenteste Veränderung seit den 1980er Jahren ist dabei die Ausdehnung des Wüstenklimas nach Norden”, berichten die Forscher. “Diese Veränderungen zeigt sich entlang der gemäßigten Breiten im Norden von Usbekistan und Kirgistan, im südlichen Kasachstan und auch am nördlichen und östlichen Rand des Junggar-Beckens in Westchina.” Die Nordgrenze des Wüstenklimas hat sich dabei um rund 100 Kilometer nach Norden verschoben, wie das Team ermittelte. Diese Ausbreitung des Wüstenklimas ging mit einem substanziellen Anstieg der Temperaturen und einer Abnahme der Niederschläge vor allem im Sommer einher. Parallel dazu ist auch die nördlich angrenzende Zone des Steppenklimas um etwa das gleiche Maß nach Norden in die Zone des kühl-gemäßigten Kontinentalklimas vorgedrungen. Unter anderem der Norden der chinesischen Region Xinjiang ist dadurch vielerorts versteppt oder zur Wüste geworden.





