Text: Sabine Maus
Wassertreten und mehr: Das Kneippen
Schon in den Badehäusern des alten Rom wurden Beine und Arme begossen, warmer Dampf geatmet.
Wieder bekannt machte solche Wasseranwendungen Sebastian Kneipp (siehe S. 10). Der bayerische Pfarrer und Naturheilkundler praktizierte sie zuerst an sich selber: Als junger Student therapierte er 1849 sein Lungenleiden mit regelmäßigen Bädern in der Donau. Nach und nach ersann und erforschte Kneipp weitere heilsame Anwendungen: Güsse mit kaltem oder warmem Wasser, Bäder, Packungen.
„Wasser hat nicht nur Effekte auf den Körper, auch die Psyche profitiert. Wickel und Waschungen können je nach Anwendung beruhigen oder munter machen“, sagt Sigrid Rau, langjährige Leiterin der Sebastian-Kneipp-Akademie. Sie bedauert, dass die Hydrotherapie bisher noch nicht breitflächig von großen wissenschaftlichen Studien begleitet wurde. „Untersuchungen zu direkten Gesundheitseffekten gibt es aber im Seniorenbereich, dort wurde eine positive Auswirkung auf das Immunsystem nachgewiesen“, so Sigrid Rau.
Jeder, der seinen Körper mit Wasser behandeln lässt oder selber behandelt, wird bestätigen: Wasser macht was.
Das wissen auch die Krankenkassen, die nicht nur Badekuren, sondern auch viele andere hydrotherapeutische Anwendungen ganz oder teilweise erstatten. Wassergymnastik zum Beispiel ist ein Bewegungsprogramm, das die Gelenke schont und Muskeln aufbaut. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei zwei Kursen im Jahr in der Regel etwa achtzig Prozent der Kosten.
Hans Gasperl, Allgemeinmediziner und Badearzt, nennt die Hydrotherapie in seinem Buch „Kneippen. Gesund mit der Kraft des Wassers“ (erschienen im Servus-Buchverlag) eine Regulationsmedizin:
„Bei solchen Anwendungen wird im Organismus eine ausgleichende Reizantwort auslöst. Der Körper bringt bestimmte Botenstoffe und Hormone in Umlauf, durch die eine rasche körpereigene Abwehr entsteht, das Immunsystem nachhaltig trainiert und gestärkt wird.“
ARAS heißt in der Medizin das körpereigene Neuronen-System, das auf Sinnesreize reagiert. ARAS steht für „ aufsteigendes retikuläres aktivierendes System“, eine Art Weckzentrum des Körpers. Laut Norman Best, Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin am Universitätsklinikum Jena, reagiert dieses neurologische Netzwerk sehr gut auf Wasser und dessen unterschiedliche Temperaturen. Wechselduschen etwa versetzen das Gehirn von einem „wachen Ruhezustand“, wie das in der Gehirnforschung heißt, in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit.





