Die Ozeane sind voller Plastik. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen treiben inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlicher Größe. An manchen Stellen wie dem „North Pacific Garbage Patch“ zwischen Hawaii und Kalifornien haben sich sogar gigantische Müllteppiche gebildet. In ihnen schwimmen zehntausende Tonnen Plastikmüll, die sich nur langsam zersetzen und ganze Ökosysteme gefährden.
Bevölkerung half bei der Plastikzählung
Um wirksame Maßnahmen gegen die Plastikverschmutzung in den Ozeanen zu ergreifen, müssen wir jedoch zunächst verstehen, woher das Plastik kommt und auf welchen Wegen es sich im Wasser verbreitet. Forschende um Jens Meyerjürgens von der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg haben nun genau das für die südliche Nordsee ermittelt. Dafür erfassten sie Plastikmüll an der Küste, in Flussmündungen und auf dem Meeresboden, berechneten die Wege virtueller Müllteilchen mit speziellen Modellen und setzten Driftkörper mit Satellitensendern aus, die – ähnlich wie richtiger Müll – an der Meeresoberfläche trieben und kontinuierlich ihre Positionen übermittelten.
Das Team ging sogar so weit, eigenen „Müll“ ins Meer zu werfen, um dessen Bewegungsmuster besser zu verstehen. Dabei handelte es sich um rund 63.000 umweltverträgliche Holztäfelchen mit einer Kantenlänge von acht mal zehn Zentimetern, die Meyerjürgens und seine Kollegen sowohl auf offener See als auch an verschiedenen Orten an der Küste verteilten. Das Besondere daran: Jeder, der ein solches Täfelchen angespült an der Küste fand, – egal ob Wissenschaftler oder nicht – konnte die Entdeckung über ein Online-Portal melden. Darüber hinaus analysierte das Forschungsteam verschiedene Interessengruppen wie Tourismus, Fischerei, Industrie und Häfen.
Müll treibt im Fluss nicht weit
Das Ergebnis: Der meiste Plastikmüll in der Nordsee stammt aus der Fischerei und von Kommunen, wie Meyerjürgens und seine Kollegen herausgefunden haben. Demnach tragen größere Gemeinden an der Nordseeküste und an den Mündungen von Elbe, Weser und Ems einen nennenswerten Teil des Plastiks bei. Doch was dort im Wasser landet, kommt offenbar nicht immer sehr weit, wie die in den Flüssen ausgesetzten Holztäfelchen zeigen. Diese wurden größtenteils einfach an einer anderen Stelle des Flussufers wieder angespült und gelangten erst gar nicht ins offene Meer. In der Elbe war das bei der Hälfte der Täfelchen der Fall, in der Ems bei fast 90 Prozent.
Generell legten zwei Drittel der in Flüssen und an Küsten ausgesetzten Holztäfelchen gerade einmal eine Strecke von 25 Kilometern zurück, bevor sie wieder am Ufer landeten. Nur ein Fünftel von ihnen war länger als 50 Kilometer unterwegs, so die Wissenschaftler. Die Holztäfelchen, die Meyerjürgens und sein Team auf offener See ausgebracht hatten, legten hingegen die weiteste Strecke zurück: Ein Drittel von ihnen war vor der Rückkehr zum Ufer mehr als 250 Kilometer unterwegs gewesen.





