In unserem Alltag nutzen wir unzählige Plastikprodukte. Jährlich werden dafür mehr als 400 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Sie wurden einst erfunden, um leichte und zugleich langlebige Materialien für Verpackungen und Alltagsgegenstände zu schaffen. Doch Plastik ist meist so robust, dass es nur extrem langsam in der Natur abgebaut wird und sich daher zunehmend in der Umwelt anreichert. Diese Plastikverschmutzung stellt eine globale Herausforderung dar, weil sie sich negativ auf Ökosysteme und die menschliche Gesundheit auswirkt. Doch über welche Wege, in welcher Form und in welchen Mengen gelangt das Plastik genau in die Natur? Und wo wird besonders viel Kunststoff weggeworfen?

Wo gelangt wie viel Plastik in die Umwelt?
Diesen Fragen ist nun ein Team um Joshua Cottom von der University of Leeds erstmals detailliert nachgegangen. Dafür werteten sie mit Hilfe einer KI und Computermodellen verfügbare Daten zum lokalen Materialfluss aus dem Jahr 2020 aus und ermittelten daraus den lokalen und regionalen Plastikabfall in 50.702 Städten und Ländern weltweit. Dieser Müll umfasst das sogenannte Makroplastik, also alle Kunststoffpartikel, die größer als fünf Millimeter sind. In dieser Größe ist Plastik theoretisch gut entsorgbar und recycelbar. Geschieht dies nicht, zerfällt der Kunststoff mit der Zeit zu Mikroplastik.
Die globale Inventur ergab, dass jährlich etwa 52,1 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in der Umwelt landen. Das entspricht 21 Prozent des insgesamt anfallenden Plastikmülls. Rund 57 Prozent des nicht sachgerecht entsorgten Mülls wird dabei ohne Umweltauflagen und Schadstofffilter auf offener Straße oder auf inoffiziellen Mülldeponien verbrannt, der Rest landet weitgehend unverändert in der Natur. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich: Während der Abfall im globalen Norden vorwiegend entsteht, weil er achtlos weggeworfen wird, häuft er sich im globalen Süden an, weil er nicht kontrolliert gesammelt und entsorgt wird. Insgesamt 15 Prozent der Weltbevölkerung leben ohne Müllabfuhr-Service, wie die Forschenden berichten. „Mindestens 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Müllabfuhr und sind gezwungen, ihren Müll ‚selbst zu entsorgen‘, indem sie ihn oft an Land oder in Flüssen entsorgen oder in offenen Feuern verbrennen“, sagt Cottom.






