Als „Day-Zero-Dürren“ werden Phasen extremen Wassermangels bezeichnet, in denen lokal mehr Wasser benötigt wird als verfügbar ist. Die städtische Wasserversorgung kann dann nicht mehr gewährleistet werden. Verursacht werden solche Ereignisse, wenn es anhaltend zu wenig regnet, zu viel verdunstet, aus Flüssen und Stauseen zu wenig Wasserreserven nachfließen und zugleich viel Wasser verbraucht wird. Bislang sind solche Dürren nicht eingetreten, die Metropolen Kapstadt und Chennai waren jedoch bereits sehr nahe dran.
Mit dem Klimawandel werden niederschlagsarme Trockenperioden und Dürren häufiger und dauern länger an, teils mehrere Jahre. Das erhöht das Risiko für „Day-Zero-Dürren“. Unklar ist jedoch bislang, wann und wo es genau zu einer solchen starken Wasserknappheit kommen wird. Das wiederum erschwert es den Menschen, ihre Wasserreserven einzuteilen und für Phasen der Wasserknappheit vorzusorgen.
Wasserknappheit betrifft insbesondere Städte
Jetzt haben Vecchia Ravinandrasana und Christian Franzke von der Universität Busan in Südkorea erstmals eine Prognose für künftige „Day-Zero-Dürren“ erstellt. Basierend auf einem großen Ensemble der neuesten Klimamodelle berechneten sie die Wahrscheinlichkeit für extreme Wasserknappheit auf lokaler Ebene bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Ihre Annahme dabei: Die Menschheit wird entweder weiterhin hohe Emissionen freisetzen (SSP3-7.0) oder zumindest moderate Klimaschutzmaßnahmen ergreifen (SSP2-4.5). In beiden Fällen wird es jedoch nicht gelingen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau einzudämmen.
Die Auswertung ergab: Unter dem SSP3-7.0-Szenario werden bis zum Jahr 2100 weltweit 74 Prozent der heute schon dürregefährdeten Regionen einem hohen Risiko schwerer und anhaltender Dürren ausgesetzt sein und mindestens einmal einen „Tag Null“ erlebt haben. Unter dem SSP2-4.5-Szenario wären es 51 Prozent. Durch „Day-Zero-Dürren“ gefährdet wären bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit bis zu 753 Millionen Menschen, darunter 467 Millionen in städtischen Gebieten und 286 Millionen in ländlichen Gebieten. Unter dem Wasserengpass würde demnach nicht nur die Landwirtschaft und Landbevölkerung leiden, sondern auch und vor allem die Stadtbevölkerung, wie die beiden Klimawissenschaftler berichten.






