Zum Inhalt springen
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
AnmeldenAbonnieren
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Rezensionen
  • natur Plus
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Podcast
  • Rezensionen
natur-Newsletter
Aktuelle Nachrichten aus Natur und Umwelt direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • natur Marktplatz

Unsere Partner

  • Bilddatenbank natur

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

naturErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-5855
E-Mail: redaktion-natur@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppewissenschaft.dedamals.de
© 2026 natur
Startseite/Nachhaltigkeit/Artikel
Wo es in Deutschland beim Klimaschutz hakt
Nachhaltigkeit

Wo es in Deutschland beim Klimaschutz hakt

In Deutschland steigt das Risiko, die selbstgesetzten Klimaziele nicht einhalten zu können, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach mangelt es in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vielfach an Klimaschutzmaßnahmen und Rückhalt für die Klimaziele, teils ist der Trend sogar rückläufig. Nur bei kommunalem Klimaschutz…
Autor
Claudia Krapp
05. November 2025
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Nachhaltigkeit

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden soll. Doch kann dieses Klimaziel erfüllt werden? Das hat nun ein Forschungsteam um Stefan Aykut von der Universität Hamburg untersucht. Es ist bereits die zweite Analyse dieser Art und ergänzt die erste Studie zum „Klimawende Ausblick“ aus dem Jahr 2024. Die Sozialwissenschaftler analysierten dafür anhand von Recherchen und eigenen Interviews, wie es aktuell um den Klimaschutz in Deutschland steht. Dabei konzentrierten sie sich auf sieben Themenfelder: Klimapolitik auf nationaler und globaler Ebene, lokaler Klimaschutz durch das Handeln von Kommunen und Unternehmen, Konsummuster der Gesellschaft, zivile Klimabewegungen sowie Klimaklagen.

Klimaschutz ist bislang eher Einzelsache

Das Ergebnis: Fünf dieser Prozesse tragen überwiegend oder zumindest teilweise zum Ziel der Klimaneutralität bei. Unterstützt wird der Klimaschutz in Deutschland demnach vor allem von Verwaltungen und Initiativen auf lokaler und kommunaler Ebene. Dort wurden in den vergangenen Jahren Strukturen aufgebaut, die längerfristig wirken und daher der derzeit eher anti-ökologischen Stimmung im Land widerstehen können. Diese weitgehend resilienten Klimaschutzbemühungen sollten weiter ausgebaut werden, empfehlen die Forschenden. Kommunen sollten dafür finanziell stärker unterstützt, Klimaschutz-Initiativen aus der Gesellschaft rechtlich und politisch gestärkt werden.

„Auch Klimaklagen sind ein wirksames Mittel für mehr Klimaschutz“, so Aykut. „Werden sie positiv beschieden, haben sie langfristig Signalwirkung und liefern Argumente für ähnliche Klagen.“ In Deutschland haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen Klagen wegen unzureichenden Klimaschutzes eingereicht – zum Beispiel gegen Verwaltungen, Landesregierungen oder Unternehmen. Zugleich ist der Anteil derer, die mit ihrer Klage Recht bekamen, gestiegen, wie das Team ermittelte. Klimaklagen zwingen demnach Politik und Wirtschaft zum Handeln und motivieren andere Kläger.

Allerdings reichen die Bemühungen in diesen Feldern allein trotzdem noch nicht aus, um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. Verhindert wird das Erreichen des Klimaziels derzeit vor allem durch klimaschädliche Konsumtrends im Privaten und weniger Rückhalt in Teilen der Bevölkerung. Bis auf kleinere Ausnahmen sind „bislang keine tiefgreifenden Umstellungen auf klimafreundliche Konsummuster in Deutschland erfolgt“, berichten die Forschenden. Unter anderem halten die Deutschen an ihren nicht nachhaltigen Autos, Flugreisen, Wohnarten und Ernährungsmustern fest. Aber auch das zögerliche und unzureichende Handeln von Wirtschaft und Politik gefährden den Gesamterfolg des Klimaschutzes. Zusammengenommen ist es dadurch derzeit kaum realistisch und „wenig plausibel“, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht, so das Team.

Herausforderungen für die deutsche Klimapolitik

Die Forschenden betonen, dass die einzelnen Akteure nur zusammen eine „Gesellschaft der Klimawende“ ergeben können. Aktuell behindern sie sich beim Klimaschutz jedoch oft gegenseitig und bewirken so ein Zurückrudern. „Eine Ursache sind Blockade- und Eskalationsspiralen, die sich selbst verstärken. Verzögert sich der Klimaschutz, weil nötige Maßnahmen verschleppt wurden, wird die Verminderung von CO2 häufig teurer“, erklärt Aykut. „Dadurch kann die Zustimmung zum Klimaschutz schwinden und es kommt zu Konflikten, wenn der Eindruck entsteht, dass Kosten nicht gerecht verteilt werden. In der Folge verzögern sich klimapolitische Maßnahmen immer weiter – was die Kosten noch mehr steigen lässt.“

Foto einer Heizungsanlage in einem Keller
Als Beispiel für kontraproduktive Dynamiken in der Klimapolitik nennen die Forschenden den Streit ums Heizungsgesetz. © imaginima/GettyImages

Als Beispiel für diese kontraproduktive Dynamik nennen Aykut und seine Kollegen unter anderem die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz, auch „Heizungsgesetz“ genannt. Mit diesem Gesetz wollte die Ampelregierung das Land darauf vorbereiten, dass ab 2027 europaweit die Kosten für den CO2-Ausstoß aus Gebäuden angehoben werden. Der erhöhte CO2-Preis im Gebäudesektor soll Anreize für klimaförderliche Sanierungen schaffen und dafür sorgen, dass vor allem die Emissionen durchs Heizen schneller sinken. Damit das Heizen jedoch nicht 2027 schlagartig deutlich mehr kostet und damit die Emissionen bereits vorher sinken, wollte die Bundesregierung über das Gesetz beschließen, dass bereits ab 2025 neu eingebaute Heizungen überwiegend mit erneuerbarer Energie betrieben werden sollen. Das hätte Investitionen erfordert, etwa in Wärmepumpen, langfristig jedoch die Heizkosten gesenkt. Dieser Beschluss wurde allerdings auf Druck von AfD, CDU und FDP, die das Gesetz politisch für sich instrumentalisierten, wieder erheblich abgeschwächt.

Zudem sorgte eine gezielte mediale Gegenkampagne voller Fehlinformationen über das Heizungsgesetz für Unsicherheit in der Bevölkerung und hatte letztlich einen gegenteiligen Effekt, wie das Team feststellte: Hausbesitzer kauften mehr klimaschädliche Öl- und Gasheizungen und investierten weniger in emissionsärmere Wärmepumpen. „Jetzt ist der Unmut über eine – eigentlich sinnvolle – Maßnahme vorprogrammiert, wenn Heizen ab 2027 teurer wird“, so Aykut. „Ein finanzieller Ausgleich für ärmere Haushalte, beispielsweise ein Klimageld und eine langfristig verlässliche Umsetzung von Maßnahmen sollten daher Priorität haben. Denn für erfolgreiche Klimapolitik braucht es den starken Rückhalt der Bevölkerung.“

Die Forschenden rechnen damit, dass es auch in Zukunft zu solchen Blockade- und Eskalationsspiralen kommen kann, wenn Politiker neue Klimaschutzgesetze vorschlagen. Ob und wie schnell diese umgesetzt werden, hängt dann davon ab, wie gut sie ihre Ziele erklären, wie gut sie die daraus entstehenden Kosten und Spannungen entschärfen und letztlich ihre Beschlüsse gegen politische Instrumentalisierung verteidigen.

Quelle: Universität Hamburg; Fachartikel: Klimawende Ausblick 2025, Transcript Verlag, doi: 10.14361/9783839468609

BevölkerungDeutschlandGesellschaftHeizenHeizungKlimabilanzKlimaklagenKlimapolitikKlimaschutzKlimawendeKlimazielKonsum

Mehr aus Nachhaltigkeit

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Nachhaltigkeit.

Alle Nachhaltigkeit-Artikel
Industrieabwässer können CO2 neutralisieren
Nachhaltigkeit

Industrieabwässer können CO2 neutralisieren

10. April 2026

Bislang werden alkalische Industrieabwässer aus der Stahl- oder Zementproduktion mit Säuren neutralisiert und dann ungenutzt in Flüsse…

Wie sich Mikroben an das Meeresplastik angepasst haben
Nachhaltigkeit

Wie sich Mikroben an das Meeresplastik angepasst haben

8. April 2026

Der im Meer schwimmende Plastikmüll ist für einige Organismen zum neuen Lebensraum geworden: Bakterien, Viren, Pilze und Algen bilden…

Moore digital verstehen – KI-Monitoring für Klima, Biodiversität und neue Landnutzung
Nachhaltigkeit

Moore digital verstehen – KI-Monitoring für Klima, Biodiversität und neue Landnutzung

25. März 2026

Moore sind extrem effiziente Kohlenstoffspeicher, die trotz geringer Flächenbedeckung mehr CO2 binden als alle Wälder zusammen. Zudem sind…

Wie viel Mikroplastik steckt im Abwasch?
Nachhaltigkeit

Wie viel Mikroplastik steckt im Abwasch?

18. März 2026

Ob Teller, Töpfe oder Gläser – beim täglichen Abwasch kommt kaum jemand ohne Küchenschwamm aus. Doch während dieser Fett und Essensreste…

← Zurück zu NachhaltigkeitZur Startseite