Wissenschaftler haben in München vor einer weltweiten Zunahme der Quecksilberkonzentration in der Umwelt und in Nahrungsmitteln gewarnt. Grund dafür sei der Abbau in kleinen Goldbergwerken Afrikas und Asiens. Dabei werde Quecksilber zur Goldauswaschung genutzt und gelange in hohen Konzentrationen über die Luft und die regionalen Flüsse in das Wasser, sagte der Münchner Toxikologe Prof. Gustav Drasch von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Der Wissenschaftler wies darauf hin, dass Seefische überhöhte Quecksilberkonzentrationen aufweisen könnten, und forderte strikte Importkontrollen. Das Bundesinstitut für den gesundheitlichen Verbraucherschutz habe bereits im Mai 1999 eine detaillierte Empfehlung veröffentlicht und schwangeren Frauen vom Verzehr bestimmter Fischarten abgeraten. Dazu gehören unter anderem alle Haifischarten, Tunfisch, Aal, Schwertfisch und Barsch.
Christian Beinhoff von der UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) in Wien erklärte, seit 1970 seien 5000 Tonnen Quecksilber in den brasilanischen Amazonasfluss gelangt. Ursache dafür sei der Goldrausch der 70er Jahre und die Verseuchung bestimmter Regionen mit Quecksilber. Ähnliche Umweltschäden seien zu befürchten, wenn die kleinen Goldbergwerkbetriebe in Asien und Afrika weiterhin unkontrolliert Quecksilber einsetzten. Blut- und Urinuntersuchungen hätten ergeben, dass in dem afrikanischen Staat Ghana die gesamte Bevölkerung mit Quecksilber in hohen Konzentrationen belastet sei.
Neue Untersuchungen haben ergeben, dass Quecksilber im Blut je nach Mensch bei unterschiedlichen Konzentrationen Symptome auslöst. Weil die individuelle Empfindlichkeit ausschlaggebend sei, könnten nur schwer Grenzwerte markiert werden, sagte Drasch. “Wir müssen noch klären, ob es tatsächlich einen unbedenklichen Grenzwert gibt.” Untersuchungen an quecksilbervergifteten Patienten auf den Philippinen hätten gezeigt, dass die Folgeerscheinungen wie Zittern oder Bewegungsstörungen bei richtiger Behandlung gemindert werden.
dpa





