Dem Traum von einer Pille für ein langes Leben glauben amerikanische Forscher ein Stück näher gekommen zu sein: Der Wirkstoff Rapamycin verlängert das Leben von Mäusen um rund zehn Prozent, haben die Wissenschaftler in Laborversuchen herausgefunden. Die Substanz beeinflusst ein Enzym namens mTOR, das an Stoffwechselvorgängen, am Wachstum von Zellen und bei den Zyklen der Zellteilung beteiligt ist. Bisher wird Rapamycin nach Organtransplantationen zur Unterdrückung von Immunreaktionen eingesetzt, um die Abstoßung fremden Zellgewebes zu verhindern.
Die Wissenschaftler um Harrison verfütterten bei ihren Tests in drei verschiedenen Labors Futter mit Rapamycin an Mäuse. Die Substanz schlossen sie dabei in eigens entwickelte Kapseln ein, die den Wirkstoff langsam im Darm abgeben. Die Mäuse waren in den ersten Tests etwa 600 Tage alt, was beim Menschen einem Alter von etwa 60 Jahren entsprechen würde. Die regelmäßigen Gaben von Rapamycin verlängerten das Leben der Tiere zwischen um 8 bis 14 Prozent, ergab die Auswertung. Bei jüngeren, etwa 270 Tage alten Tieren zeigte die Substanz ebenfalls eine Auswirkung auf die Lebenserwartung. Hier waren die Ergebnisse jedoch nicht ganz eindeutig, so dass noch weitere Studien erforderlich seien, erklären die Wissenschaftler. Die Substanz könnte auf den Organismus ähnlich wirken wie eine Diät, bei der die verfügbare Menge an Nährstoffen stets gering gehalten wird, ist eine der möglichen Erklärungen für den Effekt. Eine solche Diät zeigte in Experimenten mit verschiedenen Tierarten eine lebensverlängernde Wirkung.
Die positive Wirkung von Rapamycin auf die Lebenserwartung hatten Forscher bisher bereits bei Versuchen mit Hefen, Fadenwürmern und Taufliegen nachgewiesen. Mit ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler den Effekt nun erstmals bei einem Säugetier zeigen ? was Hoffnung auf ein Medikament beim Menschen macht.
“Ich habe niemals damit gerechnet, dass im Lauf meines Lebens noch eine Anti-Aging-Pille für den Menschen gefunden wird. Aber Rapamycin ist wirklich vielversprechend”, kommentiert der Anti-Aging-Forscher Arlan Richardson die Ergebnisse. Andere Wissenschaftler warnen dennoch vor voreiligen Schlüssen: Wegen der unterdrückenden Wirkung auf das Immunsystem sollten gesunde Menschen keinesfalls Rapamycin als Anti-Aging-Mittel einnehmen, erklären die Biochemiker Matt Kaeberlein und Brian Kennedy in einem begleitenden Kommentar.
David Harrison (Jackson Laboratory in Bar Harbor) et al.: Nature , doi:10.1038/nature08221 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





