Die Evolution geht immer weiter. Im Lauf der Jahrmillionen haben die Lebewesen der Erde viele verschiedene Formen und Konzepte hervorgebracht, um sich an bestimmte Bedingungen und Lebensräume anzupassen. Dabei zeichnet sich ab, dass für viele Arten schnelle Veränderungen ihrer Lebensumstände höchst problematisch sind: Immer wenn sich das Klima oder bestimmte Umweltfaktoren in der Erdgeschichte vergleichsweise rasch wandelten, konnten sich viele Organismen nicht schnell genug anpassen und starben aus. Klar ist: Wir sind nun gleichzeitig Zeugen und Verursacher eines solchen Prozesses. Die durch den Menschen veränderten Bedingungen auf unserem Planeten setzten viele Lebewesen enorm unter Druck.
Evolution in Zeiten des Klimawandels
Wie sie damit umgehen, ist in den meisten Fällen unklar. Eine Frage in diesem Kontext: Wie könnten sich die zunehmend häufigeren und intensiveren Wetterextreme auf evolutionäre Prozesse auswirken, die zu Anpassungen oder aber zum Aussterben von Arten führen können? In diesem Zusammenhang haben sich die Forscher um Jonathan Pruitt von der University of California Santa Barbara nun mit den möglichen Effekten von starken Stürmen beschäftigt.
Klar ist, dass die tropischen Wirbelstürme schon immer eine Rolle in der Natur der betroffenen Regionen gespielt haben. Doch im Zuge des Klimawandels zeichnet sich nun deutlich ab, dass diese verwüstenden Naturkatastrophen immer häufiger etwa über Teile der Karibik oder der südlichen USA hereinbrechen. “Wir wollen die möglichen Auswirkungen dieser Extremereignisse auf die Evolution und die natürliche Selektion besser verstehen”, sagt Pruitt.
Als Beispielart haben sich die Wissenschaftler die Spinne Anelosimus studiosus ausgesucht, die entlang der Golf- und Atlantikküste der Vereinigten Staaten und Mexikos vorkommt – und damit genau im „Spielfeld“ der tropischen Wirbelstürme. Es handelt sich um eine ausgesprochen interessante und vergleichsweise gut untersuchte Spinnenart.
Das Besondere: Während sich die meisten Arachniden untereinander “spinnefeind” sind, lebt Anelosimus nach dem Konzept „Gemeinsam sind wir stark“: Gruppen dieser Spinnen bauen riesige Gemeinschaftsnetze, jagen zusammen und ziehen ihren Nachwuchs kollektiv groß. In früheren Untersuchungen konnten Pruitt und seine Kollegen bereits zeigen, dass sich die Individuen im Charakter unterscheiden. In ihren Gemeinschaften aus bis zu 100 Tieren gibt es demnach eher sanft veranlagte und vergleichsweise aggressive Mitglieder. Aus der Mischung ergibt sich dann auch ein Grundcharakter der Kolonie. Der Grad der Aggressivität einer Kolonie spiegelt sich demnach in der Geschwindigkeit und Anzahl der Angreifer wider, die auf Beute reagieren, sowie in der Neigung zu Kannibalismus und in der Anfälligkeit der Kolonien für die feindliche Übernahme durch fremde Spinnen.





